Nach "Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer" erzählt er nun feinfühlige Geschichten von besonderen Orten und Menschen in EuropaWas man immer schon von Karl-Markus Gauß lesen wollte: Ob er über einen muslimischen Sommelier im albanischen Berat berichtet oder die verblüffende Geschichte des größten Truppenübungsplatzes Mitteleuropas erzählt, ob er den Reichtum der europäischen Sprachen preist oder die sensationshungrigen Gaffer von heute mit den Besuchern der Gladiatorenkämpfe von einst kurzschließt, immer folgen wir den Spuren eines feinfühligen Flaneurs, der aus Einzelheiten ein welthaltiges Ganzes formt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2020
Rezensent Pauls Jandl ist einmal mehr beeindruckt davon, mit welcher Sicherheit und Stringenz Karl-Markus Gauss seine Themen sucht, findet und entrollt. Wenn er Umwege nimmt, dann niemals, ohne das Ziel fest im Auge zu behalten, und wenn er vom Großen aufs Kleine kommt, dann nur, um im Kleinen wiederum das Große sich spiegeln zu lassen, so Jandl. Und das Große, das sind bei Gauss immer die Ungerechtigkeiten der Geschichte. Ihnen ist er "auf der Spur", für sie hat er ein Gespür. Im ursprünglich jüdisch geprägten Trebic findet er sie und in Odessa, auf dem albanischen Land, auf alten Truppenübungsplätzen in Österreich, und an den gesperrten Grenzen, die syrische Flüchtende daran hindern sollen, nach Europa zu kommen. Sein übergeordnetes Ziel ist es, zu verstehen und verständlich zu machen. Und das gelingt ihm auch, findet der begeisterte Rezensent.
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