Kerstin Holm

Rubens in Sibirien

Beutekunst aus Deutschland in der russischen Provinz
Cover: Rubens in Sibirien
Berlin Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783827007285
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Kaum ein Thema in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland ist so heikel und komplex wie der Umgang mit der sogenannten Beutekunst aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine schier unübersehbare Menge an Kunstwerken und sonstigen Kulturgütern wurde sowohl von deutschen Soldaten in Russland als auch später von russischen Soldaten auf deutschem Gebiet als Kunsttrophäen geraubt. Bis zum Zerfall der Sowjetunion wurde die Existenz solcher Raubgüter in russischen Sammlungen konsequent bestritten. Spätestens seit Anfang der 1990er Jahre ist jedoch klar, dass man Beutekunst aus Deutschland in Russland nicht nur in den großen Museen wie etwa der Eremitage in St. Petersburg findet, sondern auch in der Provinz, in Nischni Nowgorod, Tula, Irkutsk, wohin Armeeeinheiten sie verschleppt oder plündernde Soldaten sie verkauft hatten. Kerstin Holm, die seit sechzehn Jahren als Kulturkorrespondentin die russischen Provinzmuseen systematisch durchkämmte, stieß dort auf Bilder aus Berlin, Potsdam, Schwerin, die viel über die Schwächen ihrer Räuber und noch mehr über die russische Malerei verraten, die sie hier umgibt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.05.2008

Eingenommen ist Rezensent Egbert Hörmann von Kerstin Holms Buch "Rubens in Sibirien", in dem sich die Autorin auf die Spur deutscher Kunstwerke begibt, die nach dem Krieg in russischen Museen landeten. Er begrüßt die "anregend unkonventionelle" Weise, in der die Autorin die Fragen um das komplexe Thema "Beutekunst" bzw. "kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter" behandelt. So stelle sie nicht nur die unterschiedlichen politischen und juristischen Positionen dar, sondern ordne diese auch in ihren kunstgeschichtlichen, geschichtsphilosophischen und nationalpsychologischen Kontext ein. Hörmann bescheinigt Holm, mit Sympathie, Verständnis und fundierten Sachkenntnissen einen erhellenden Einblick in die "russische Ideengeschichte" zu geben und damit die "tieferen Beweggründe" für die russischen Positionen hinsichtlich der aus Deutschland stammenden Kunstwerke zu verdeutlichen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2008

Stefan Koldehoff schätzt Kerstin Holm, die als Kulturkorrespondentin der FAZ seit 17 Jahren aus Russland berichtet, für ihre von Sympathie für das Land getragene und dabei dennoch "ungeschönte" Berichterstattung. Auch dieser Band, der sich mit dem seit über 20 Jahren umstrittenen Thema der Beutekunst aus dem Zweiten Weltkrieg befasst, zeichnet sich durch eine ausgewogene und verständnisvolle Haltung aus, die nach den Gründen für Moskaus unbeugsame Haltung sucht, stellt der Rezensent fest. Besonders hat dem Rezensenten gefallen, dass sich die Autorin nicht nur für die prominenten Stücke in den großen Museen, sondern auch für die unbekannteren Kunstwerke in der Provinz interessiert. Indem Holmes dabei einen tiefen Blick in die russische "Ideengeschichte" wirft, gewinnen die Streitobjekte einen ganz neuen Stellenwert und das hierzulande dominante Bild vom russischen "Beutegeier" wandele sich dadurch zur "Kulturnation", so Koldehoff anerkennend.
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