Der Umgang mit der Kolonialgeschichte, die hierzulande lange im Schatten der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und des Holocaust stand, unterliegt gegenwärtig einem grundlegenden Wandel. Zwar zählt auch Deutschland faktisch zu den postkolonialen Gesellschaften Europas, doch ist diese Tatsache kaum in das Bewusstsein der Menschen und in das Handeln der Politik vorgedrungen. Der Sammelband zieht Bilanz und will zugleich die notwendige Auseinandersetzung um eine Dekolonisierung globaler wie lokaler Machtverhältnisse und eine Dekolonialisierung der immer noch dominierenden Wissens- und Deutungsmacht des "Westens" anregen. Die aktuellen Debatten um den Völkermord an den Herero und Nama oder die koloniale Beutekunst im geplanten Humboldt Forum in Berlin richten den Fokus ein ums andere Mal auf eine koloniale Vergangenheit, die nicht vergehen will.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2019
Wolfgang Benz empfiehlt den von Marianne Bechhaus-Gerst und Joachim Zeller herausgegebenen interdisziplinären Band zur Schärfung des Bewusstseins für das Unrecht deutscher Kolonialherrschaft in Afrika. Viel mehr als Kolonialhistoriografie bietet ihm der Band Mentalitätsgeschichte, Ressentimentforschung und eine Basis für den Erinnerungsdiskurs und aktuelle Diskussionen um Raubkunst und Restitution. Die Beiträge von insgesamt 32 Autoren in dem laut Benz faktenreichen und hoch reflektierten Handbuch bestechen durch Wissenschaftlichkeit und moralische Eindeutigkeit, begründet der Rezensent seine Begeisterung.
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