Leila S. Chudori

Pulang (Heimkehr nach Jakarta)

Roman.
Cover: Pulang (Heimkehr nach Jakarta)
Weidle Verlag, Bonn 2015
ISBN 9783938803752
Gebunden, 432 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Indonesischen von Sabine Müller. Leila S. Chudori war gerade drei Jahre alt, als die Massenmorde an angeblichen Sympathisanten der Kommunistischen Partei Indonesiens im September 1965 begannen. Hunderttausende Menschen starben, weil sie eine eigene politische Meinung hatten. Damit begann die Diktatur von Präsident Suharto. "Pulang" (das indonesische Wort für Heimat) befasst sich mit dem Schicksal einer Gruppe von Journalisten, die aufgrund der Ereignisse im September 1965 im Exil in Paris leben und nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Dimas Suryo, der 1965 im Ausland war und nicht mehr nach Indonesien zurückkehren konnte, lebt als Mitbesitzer eines indonesischen Restaurants in Paris und leidet lebenslang unter seiner Heimatlosigkeit. Lintang Utara, seine Tochter mit der Französin Vivienne, reist 1998 für die Examensarbeit ihres Filmstudiums nach Jakarta und begegnet auf ihre Art der Geschichte und Gegenwart Indonesiens. Sie gerät in die Studentenunruhen, die zum Ende der Ära Suharto führten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2016

Martin Zähringer lobt Leila S. Chudoris Exilgeschichte um eine indonesische Familie im Paris Ende der 90er für ihre politische Komponente und ihre sinnliche Seite. Das interkulturelle Potenzial der Geschichte kann die Autorin, laut Zähringer befeuert aus eigener Erfahrung, glaubhaft entfalten. Dass trotz Landeskunde und Rückgriff auf die Ereignisse in Indonesien 1965/66 Raum für Romantik, Spannung und einen universellen Zugang des Lesers zum Buch bleibt und es der Autorin gelingt, psychologisch komplexe Charaktere zu schaffen, findet der Rezensent bemerkenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2015

Rezensent Volker Breidecker gefällt der Debütroman der Journalistin Leila S. Chudori aufgrund seiner intelligenten Komposition. Chudori entwirft eine Flüchtlings- bzw. Exilperspektive, um sich dem indonesischen Trauma der Jahre 1965-68 anzunähern, erklärt er, und erzählt nebenbei (mitunter klischeehaft, wie Breidecker einräumt) eine Liebesgeschichte. Besonders beeindruckt zeigt sich der Rezensent darüber, wie die Autorin ihre junge Erzählerin stellvertretend Gesellschafts- und Familiengeheimnisse recherchieren lässt und die Ergebnisse in Form von Selbstzeugnissen, Briefen und Interviews oder durch multiperspektivisches Springen zwischen Zeiten und Orten in den Text einfließen lässt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 26.09.2015

Wie die Menschlichkeit verloren geht, wenn die Ideologie die Staatsmacht durchdringt, erfährt Marc Reichwein in Leila Chudoris Debütroman, der laut Rezensent mit viel Personal und dokumentarischer bzw. kommentierender Erzählperspektive arbeitet, mit komplexer Handlung und Zeitgestaltung und multipler Erzählperspektive, um einem vielschichtigen Gesellschaftsbild gerecht zu werden. Der Befund, dass das Buchmessen-Ehrengastland Indonesien aufgrund des Militärputsches von 1965 eine traumatisierte Seele besitzt, findet Reichwein in diesem im Original bereits 2012 erschienenen Buch auf eindringliche Art und Weise anhand von Einzelschicksalen vermittelt. Der Text führt den Rezensenten mitten hinein in die Unruhen in Jakarta im Jahr 1998 und erzählt die Geschichten zerrissener Familien. Die ideologische Konfrontation scheint Reichwein besonders für eine deutsche Leserschaft interessant.
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