Eine junge Frau reist nach Togo, im Gepäck ein Aufnahmegerät und den Auftrag, zu Flucht- und Migrationsursachen zu forschen. Vor Ort trifft sie Menschen, die ihr von sich erzählen: eine Schneiderin, die ihrer Abschiebung aus Deutschland zuvorkam, einen jungen Mann, der mit seinem Dienst im Waisenhaus hadert, und den Bibliothekar, der sie aufmerksam macht auf die Europäer*innen, die wie Gespenster das Land bevölkern. Immer mehr zweifelt sie ihre Rolle im Land an und beginnt, sich mit ihrer eigenen Familie auseinanderzusetzen: Warum ging ein Onkel nach Nigeria und wurde dort vermögend? Warum brachte ihr Ur-Urgroßvater nur eines seiner drei Kinder aus Panama nach Deutschland? Warum weiß sie so wenig über ihre Urgroßmutter Benedetta? Immer näher kommt sie den weißen Flecken ihrer Familiengeschichte und damit der eigenen Unsicherheit, der eigenen Verantwortung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2024
Eine lohnende Lektüre ist Lene Albrechts Buch über die deutsche Kolonialgeschichte und den Umgang damit laut Rezensentin Emilia Kröger. Albrecht erzählt von der Wissenschaftlerin Ellen, die in Togo unter anderem zum Erbe der deutschen Kolonialherrschaft forscht, aber feststellen muss, dass sie noch nicht einmal zentrale Figuren dieser Epoche wie Gustav Nachtigal, den damals für die Kolonisierung zuständigen Reichskommissar kennt. In Togo dagegen ist Nachtigal sehr präsent, lernt Ellen laut Kröger, wie überhaupt die Kolonialgeschichte im Land erinnert wird, etwa indem europäische Friedhöfe erhalten bleiben. Auch Rassismus prägt als ein weiteres Erbe des Kolonialismus das Land nach wie vor, Kröger erwähnt eine Szene, in der es um weiße Frauen geht, die schwarze Männer wie Waren auf dem Markt anpreisen. Das Buch ist ein wenig aktivistisch geschrieben, erfahren wir und am Ende stehen zwar keine Sicherheiten, aber doch ein neues Bewusstsein für blinde historische Flecken, so die mit den durchaus auch aktivistischen Anliegen des Buches sympathisierende Rezensentin.
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