Leonid Zypkin

Die Brücke über den Fluss

Cover: Die Brücke über den Fluss
Aufbau Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783351034603
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Alfred Frank. Die bewegende Familiengeschichte eines UnbeugsamenZypkins Familie floh 1941 vor den Nazis von Minsk bis zum Ural. Die zurückgebliebenen Verwandten kamen im Ghetto um. Jahre später erkundet er, assoziativ und in Zeitüberblendungen ähnlich wie W. G. Sebald, die verlorenen Territorien und sein früheres Ich. Seine Sätze verweben Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Wünsche, Ekel und Zartheit. Sie kommen der Wirklichkeit so schmerzlich nahe, wie es nur dem gelingen kann, der zum Chronisten einer unmöglichen Zeit wird und dem jahrzehntelang nichts anderes bleibt, als für die Schublade zu schreiben - und der doch nicht aufhören kann.Erstmals auf Deutsch - ein Buch gegen das Vergessen der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2020

Rezensent Fabian Wolff berührt die Tiefe und Radikalität des Romans von Leonid Zypkin. Dankbar ist er dem Verlag für die Neuauflage des Textes, die eine Wiederentdeckung des bei uns wenig bekannten Autors und mit ihm eines Teils "sowjetischer Schubladenliteratur" ermöglicht, wie der Rezensent erfreut feststellt. Das Buch deutet er als Teil der Selbsttherapie des Autors von den Wunden der Geschichte. Indem Zypkins Erzähler sich an seine Kindheit vor der Ankunft der Nazis 1941 und an sein Studium erinnert, verhandelt der Autor die Umbrüche sowjetischer Geschichte, erläutert der Rezensent, den Zypkins Satzgirlanden an Thomas Bernhard erinnern.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.06.2020

Rezensentin Olga Hochweis ist dankbar, dass Leonid Zypkins vor 50 Jahren erschienene autobiografische Erzählung nun erstmals auf Deutsch veröffentlicht wird. Gern lässt sich die Kritikerin ein auf den mit Zeiten und Orten jonglierenden "Bewusstseinsstrom" des russisch-jüdischen Erzählers, der ihr hier in "Schlaglichtern" und aus wechselnden Perspektiven vom Aufwachsen in einer nicht näher benannten Stadt, von Kindheitserinnerungen und von Liebe, Tod und Alter erzählt. Zwischen Moskau und Minsk pendelnd, begleitet die Rezensentin den Autor durch die Jahre 1936 bis 1972, erlebt die ersten Kriegstage ebenso wie die "bleierne Schwere" der Sowjetzeit und nimmt lange nachhallende Bilder aus der Lektüre mit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2020

Rezensentin Kerstin Holm freut sich, dass der Aufbau Verlag nicht nur Leonid Zypkins Hauptwerk "Ein Sommer in Baden-Baden" neu editiert hat, sondern auch noch den schmalen Band "Die Brücke über den Fluss" in neuer Übersetzung dazulegt. Der russische Schriftsteller, Mediziner und Pathologe blickt hier auf seine Jugend als dicker Junge unter deutsche Besatzung zurück, erzählt dabei zugleich von erster Liebe, später auch vom Tod des Vaters, resümiert Holm. Wie Zypkin "Eros und Thanatos" engführt, findet die Kritikerin bemerkenswert. Bereits hier erweist sich Zypkin als großer "Seelenarchäologe", schließt sie.
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