Herausgegeben von Urs Heinz Aerni u.a.. Jugendliche lesen nicht mehr, heisst es. Und schreiben wollen sie erst recht nicht. Wer sich allerdings umschaut, stellt rasch fest, dass das nicht stimmen kann. Das Schreibmaterial hat sich verändert, die Tätigkeit ist dieselbe: hunderttausende Jugendliche tippen sich stündlich durch das Menü ihres Handys, lesen und schreiben wie besessen - im Rahmen der 160 Zeichen, die ein SMS zur Verfügung stellt. Dabei entstehen mitunter hervorragende Texte, die durch den Äther ziehen, um dann für nur einen Leser sichtbar zu werden. Das beste an poetischer Raffinesse und literarischem Experiment wird in einem gross angelegten Wettbewerb gesammelt und materialisiert sich in 'Liebe 160' - ein Buch, das die Schreib- und Lesepraxis dort zeigt, wo sie heute stattfindet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2003
Eher enttäuscht ist der Rezensent mit dem Kürzel tin. von dem Ergebnis dieses Wettbewerbs, den der Schweizer Leseförderverein veranstaltet hat. Jugendliche waren aufgefordert, SMS-kompatible Liebeslyrik einzuschicken und das Ergebnis lässt jedenfalls nicht auf "eine einzigartige Dichtergeneration" schließen, die da "heranwächst". "Liebeslyrische Jugendsünden" sind eben nach Meinung des Rezensenten "zeitlos", da sind abgestandene Metaphern eher die Regel als die Ausnahme. Fast erfrischend sind dann in dem Zusammenhang wirklich banale Liebesschwüre, so etwa ein Vergleich der Liebsten mit dem Fernseher, den man immer anschauen muss.
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