Ein besetztes großstädtisches Theater und ein Vergnügungsdampfer auf dem Mittelmeer: Das sind die beiden kolossalen, befrachteten Vehikel, an deren Bord Jakko - protokollierender Autodidakt, ans WWW angeschlossener Simplicissimus - die Tage und Nächte durchkreuzt. Als er, der ahnungslose, verzettelte, größenwahnsinnige Erzähler von der Inbesitznahme des Theaters um die Ecke erfährt, macht er sich gleich auf: Er will mitschreiben an den kommenden Manifesten, sich beteiligen an den Arbeitskreisen auf der stillgelegten Bühne, dabei sein, wenn das Gefüge ins Wanken gerät. Aber hat er überhaupt das Zeug zum Aktivisten? Und was ist es, das sich in Form eines gigantischen Kreuzfahrtschiffs aus seiner Vergangenheit ins Scheinwerferlicht schiebt?
Ein Roman, der mit der Besetzung eines Theaters einsetzt, lässt Kritiker Ekkehard Knörer an eine wirkliche Besetzung der Volksbühne vor sechs Jahren denken, nur dass das Theater bei Lorenz Just keinen Namen hat und zudem leer steht. So ein bisschen in der Schwebe ist die Aktion, Ziel und Umfang werden nur umrissen, wie auch die Figuren etwas Fluides haben, schildert Knörer, Namen sind genauso veränderbar wie Geschlechtsidentitäten. Die vom Rezensenten hoch gelobte Unzuverlässigkeit der Geschichte, an der sich "die Füße schleifen", wird noch durch geschickt mit der Haupthandlung verwobene Einschübe verstärkt, die ihn durch einen Irrgarten des Erzählens schicken, in dem er sich gerne verläuft.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…