Bei vielen Menschen weckt das Bild des Big Brother die Vorstellung eines Orwell'schen Überwachungsstaates. Die Enthüllungen von Edward Snowden haben der Welt die Machtanmaßung und den Machtmissbrauch amerikanischer Geheimdienste vor Augen geführt. In Deutschland hat sich über Jahrzehnte aber auch eine positive Sicht gehalten, nämlich dass die USA ein enger und starker Verwandter in der Familie der freiheitlichen Demokratien sind, der "uns" in schwierigen Zeiten beschützt. Warum Europa mehr Eigenständigkeit braucht: Jahrzehntelang hat sich Europa darauf verlassen, dass amerikanische Macht seine Sicherheit gewährleistet: militärisch eingebettet in Allianzstrukturen, flankiert durch wirtschaftliche Offenheit und basierend auf liberal-demokratischen Werten. Doch diese drei Säulen der Pax Americana sind schon lange vor den letzten Wahlen in den USA und Donald Trumps zweiter Präsidentschaft brüchig geworden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2025
Rezensent Thomas Speckmann liest Marco Overhaus' Ausführungen zum Stand der Dinge in der transatlantischen Sicherheitspolitik mit Interesse. Der Politikwissenschaftler geht von der Feststellung aus, dass die USA immer weniger in der Lage ist, die Geschicke der Welt militärisch zu lenken - siehe China/Taiwan, Ukraine, Iran/Israel. So steht die EU vor großen Problemen, wenn sich Amerika tatsächlich aus der NATO zurückzieht, was mit mangelnder Zusammenarbeit europäischer Streitkräfte untereinander, aber auch mit grundsätzlichen europäischen militärischen Defiziten zum Beispiel im Bereich der Luftstreitkräfte zu tun hat, liest der Kritiker. Ein bisschen was tut sich in dieser Hinsicht inzwischen allerdings schon, nimmt der Rezensent aus der Lektüre mit.Zudem liest er bei dem Autor, dass künftig wirtschaftliche Konflikte innerhalb der NATO oft wichtiger sein könnten, als gemeinschaftliche Abwehr von Feinden. Ganz besonders wichtig sei aus europäischer Sicht dabei die Chinafrage. Der Rezensent hält sich mit eigenen Einschätzungen der Lage zurück, scheint aber Overhaus' Position insgesamt für schlüssig zu halten.
Rezensent Marcus Pindur empfiehlt Marco Overhaus' Analyse als "realistisch, kenntnisreich und flüssig geschrieben". Der Sicherheitsexperte beschreibt darin den schrittweisen Rückzug der USA aus ihrer globalen Führungsrolle - und die Folgen für Europa, erfahren wir. Drei "tektonische Verschiebungen" stehen im Zentrum: die bröckelnde Sicherheitsgarantie, zunehmender wirtschaftlicher Protektionismus und eine Abkehr von liberal-demokratischen Werten. Overhaus zeigt, wie die USA zur "ungebundenen Großmacht" werden, während Europa sicherheitspolitisch aufholt - aber noch weit von echter Eigenständigkeit entfernt ist. Die europäischen Reaktionen auf den Ukrainekrieg deuten auf eine "Koalition der Willigen" hin, doch ohne Washington sei man noch nicht in der Lage, glaubhafte Sicherheitsgarantien zu geben, konstatiert der Kritiker. Ein Buch für alle, empfiehlt Pindur, die verstehen wollen, warum der Umbau des transatlantischen Bündnisses längst begonnen hat - und wie schwer er sein wird.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…