Marek Torčík

Was die Zeit nicht nimmt

Roman
Cover: Was die Zeit nicht nimmt
Anthea-Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783899984569
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch. Ein Anruf in der Nacht - und die Vergangenheit kehrt zurück. Ein nächtliches Gespräch mit der Mutter führt Marek wieder in seine Jugend. Zurück in eine Familie mit dysfunktionalen Mustern und in ein Umfeld, das Andersartigkeit bestraft. Als queerer Junge in einer konservativen Industriestadt ist Mobbing Mareks ständiger Begleiter. Und die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche von 1989 belasten nicht nur ihn, sondern die ganze Familie - in Form von Armut, Alkoholismus und Gewalt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.02.2026

Rezensentin Stephanie von Oppen ist dankbar, dass durch den Auftritt Tschechiens als Gastland auf der kommenden Frankfurter Buchmesse dieser wunderbare Roman von Mirko Kraetsch ins Deutsche übersetzt wurde. Denn das Debüt von Marek Torcik, der sich in seiner Heimat vor allem als Lyriker einen Namen gemacht hat, ist grandios, findet die Kritikerin: Held Marek, der nicht zufällig den Namen des Autors trägt, wächst in den Nullerjahren in einer Plattenbausiedlung in einer tschechischen Kleinstadt auf und blickt nun, durch den Tod des cholerischen, alkoholkranken, aber geliebten Großvaters auf sein Leben zurück. Dass der Autor dabei zwischen den Jahren 2007 und 2021 switcht und einen Du-Erzähler wählt, ist ein kluger Kniff, findet die Kritikerin. Dem Sog dieser "mit großer gedanklicher Schärfe" geschriebenen Geschichte, die von Mobbing, erster schwuler Liebe, schwierigem Coming-Out in prekären Verhältnissen, aber auch der Liebe zwischen Mutter und Sohn erzählt, kann sie sich nicht entziehen. Vergleiche mit Didier Eribon und Wolfgang Herrndorfs "Tschick" scheut Oppen nicht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.02.2026

Rezensentin Stephanie von Oppen ist restlos begeistert von diesem autofiktionalen Debütroman des tschechischen Lyrikers. Darin wird die Coming-of-Age-Geschichte sowie das Coming-Out Protagonisten erzählt, der den kürzlichen Tod seines alkoholkranken Großvaters zum Anlass nimmt, auf sein Leben zurückzublicken, erfahren wir. Besonders sei dabei die Erzählweise des Textes, da er sich nicht nur in einem Bewusstseinsstrom ergieße, sondern auch konsequent in der Du-Form geschrieben sei, was die Immersion nur verstärke. Neben ersten homosexuellen Erfahrungen geht es auch um eine innige und respektvolle Beziehung zwischen dem Protagonisten und seiner Mutter, was die Kritikerin - besonders, wenn der Sohn für sein Studium die Mutter verlassen muss - an die Bücher des französischen Schriftstellers Didier Eribon erinnert. Generell sei dieser Erstling von einer einnehmenden Liebe zu all seinen Figuren durchdrungen, wodurch von Oppen bedenkenlos in den Chorus mit einstimmen kann, der ihn als erfolgreichsten, tschechischen Roman seit langem feiert.

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