Book of Lives
So etwas wie Memoiren

Berlin Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783827015389
Gebunden, 768 Seiten, 36,00
EUR
Klappentext
Aus dem kanadischen Englisch von Helmut Krausser und Beatrice Renauer. Als Tochter von Wissenschaftler:innen verbrachte Atwood den Großteil ihrer Kindheit in der kanadischen Wildnis - der Start in ein Ausnahme-Leben. Es folgen die Jahre, in denen sie erst Teil der literarischen Bohème und dann zu jener Autorin wurde, deren legendärer "Report der Magd" (geschrieben im Berlin der 1980er Jahre) unsere Welt bis heute prägen. Atwood erzählt, wie es weiterging, lässt uns teilhaben an ihren Freundschaften, am Leben mit ihrem Mann Graeme. Das Ergebnis ist ein farbenfrohes, hochamüsantes Buch voller überlebensgroßer Figuren: Dichter, Bären, Hollywood-Schaupieler ... Ein Einblick in ihr Schreiben, in die Verbindungen zwischen realem Leben und Kunst und in die Funktionsweise eines der kreativsten Köpfe unserer Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 09.02.2026
Auf fast 800 Seiten kann sich Kritikerin Katharina Granzin in das Leben der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood vertiefen, die hier mit 86 Jahren ihre Memoiren vorgelegt hat. Und es gibt für sie einiges zu entdecken: Zum Beispiel, dass Atwood als Tochter eines Entomologen in ihrer Kindheit viel Zeit in der Natur verbracht hat, aber auch geneigt ist, Esoterischem wie Tarot, Sternzeichen oder sogar Dämonenaustreibungen Raum in ihrem Leben zu geben. Granzin lernt, dass Atwood zu einer Art "Gründergeneration" der kanadischen Literatur gehört, die erst in den 1960er-Jahren beginnt, sich zu emanzipieren. Sie liest von der Entstehung von Romanen wie dem "Report der Magd" oder "Alias Grace", aber auch von den Männern im Leben der Autorin und den Freund- und Feindschaften zu Frauen. Die Rezensentin befindet, dass das Buch gegen Ende immer spannender wird, nur am Anfang habe es ein paar Längen. Es sei vor allem auch geprägt durch den "charakteristischen Schwung" Atwoods.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2026
Rezensentin Lerke von Saalfeld liest sich nur zu gerne durch die Memoiren der kanadischen Erfolgsautorin. Sie liest von Atwoods Kindheit in den Wäldern Kanadas, in die ihr als Insektenforscher arbeitender Vater die Familie fast alljährlich zog und von Atwoods ersten Schreibversuchen als Sechzehnjährige. Generell scheint von Saalfeld das Schreiben als lebenslange, unermüdliche Tätigkeit der rote Faden dieses in nahbarem Plauderton verfassten Textes zu sein, der sich aber in seiner parallelen Beschäftigung mit Kanada auch wie eine kleine Literaturgeschichte dieses allzu leicht vernachlässigten Landes liest. Atwood umgeht dabei die Selbstidealisierung und rückblickende Korrektur, die das Genre plagt und bleibt in ihrem Erzählton souverän und bissig, hebt die Kritikerin positiv hervor. Die Memoiren erinnern letztlich daran, was für ein vielseitiges Werk die Autorin hervorgebracht hat, das sie mit seinen über siebzig Büchern sowohl als Science-Fiction-Autorin als auch als Märchenerzählerin positioniert, bemerkt von Saalfeld. Man kann sich nach der Lektüre nur darüber freuen, dass sie noch schreibt, schließt die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2025
Mit messerscharfem Verstand und einer gesunden Portion Selbstironie hat Margaret Atwood ihre Memoiren ausgestattet, hält Rezensentin Gabriela Herpell fest: Sie beginnt mit der Schilderung ihrer Kindheit "im noch richtig wilden Kanada", erst mit ihrem Umzug nach Toronto, ihrer Studienzeit und dem Karrierebeginn liest es sich etwas zäh. Sie rutscht in ihre erste Ehe irgendwie hinein, schildert Herpell, erst die zweite mit Graeme Gibson glückt, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten: Die Probleme schildert Atwood im Buch in Briefen an sich selbst, die für die Kritikerin zu den besten Stellen gehören. Um den Umgang mit Stiefkindern, die Frage nach eigenen Nachkommen und um die Vereinbarkeit zwischen Schreiben und Familie geht es, Herpell liest gerne davon, wie auch von den Schilderungen über ihre weltberühmten Romane.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 06.12.2025
"Die wahrscheinlich schönste aller Schriftstellerautobiografien" liest Kritiker Elmar Krekeler mit den Memoiren der großen Margaret Atwood: Viele verschiedene Ichs haben sie zu der Autorin gemacht, die sie heute ist, die mit Büchern wie "Der Report der Magd" Weltruhm erlangt hat. Immer wieder funkt das Leben in ihr Schreiben und umgekehrt; die Zeiten, die sie mit ihrem Vater im Wald verbracht und Hütten gebaut hat, ist in ihre Bücher ebenso eingegangen wie umgekehrt ihre Dystopien herangezogen werden, um die USA zu erklären. Liebe, Macht und Missbrauch kommen auch vor, so der Rezensent, ebenso die Geistesgeschichte des gesamten 20. Jahrhunderts - scharfsinnig, witzig, spannend, schließt er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.11.2025
Rezensentin Sylvia Staude liest Margaret Atwoods Memoiren mit Freude über den nie versiegenden Humor der Autorin. Dass Unverblümtheit und Diskretion zusammengehen, beweist Atwood laut Staude immer wieder, etwa wenn sie über Kollegen oder über ihre Kritiker schreibt. Dunkelheit weiß Atwood durch Trotz abzufedern und schließt Heiteres an, erkennt Staude. Beeindruckend erscheinen ihr die Schilderungen der Lebensverhältnisse, in denen die Autorin aufwuchs, entbehrungsreich und mit viel Sinn für die Natur. Herzerfrischende Lektüre, befindet Staude.