Es ist ein besonderer Ort, aus dem Marica Bodrozic ihre poetische Kraft schöpft. In ihren Gedichten nennt sie ihn "Talschaften der Erinnerung", gleichsam eine "Urgegend der Bilder". Verankert liegt dieser Ort in der inneren Kindheit, im imaginären Raum tief liegender Gedächtnislandschaften. Aus den Gedichtzeilen strömen Klänge, Gerüche und immer wieder leuchtende Farben. Die Vorratslager der Bilder stellen das erinnerte Leben verwandelt in den Raum. Vor allem aber trägt Marica Bodrozic einen neuen, unerhörten Ton in die Lyrik der Gegenwart hinein, erobert den seit längerem verpönten Raum emphatischen Sprechens zurück. Mit unverwechselbarer Sprache durchdringt sie die Themen aller großen Lyrik: Liebe, Gott, Kindheit, Leben, Tod und die Schönheit. "... ich will an die Seligmachung/ schreiben. An die Herzmitte/ der gelben aller Farben": Die Wiederverzauberung der Welt, die Wieder-Ermächtigung der Sprache, die Marica Bodrozic in ihren Erzählungen und zuletzt in ihrem Roman "Der Spieler der inneren Stunde" auf sich genommen hat, offenbart sich unverstellt in diesen lyrischen Wortgemälden von großer Helle und Farbigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2007
Derart kühn kommen Walter Hinck Marica Bodrozics lyrische Aufladungen des Deutschen vor, dass ihn mitunter schwindelt. Dankbar lässt er sich durch das "Drängende des lyrischen Rhythmus" darüber hinweg tragen und nimmt die Vogelperspektive der Autorin ein, in der er einen Schlüssel zum Verständnis dieser Gedichte erkennt. Fallen mit der Entfernung nicht die Grenzen? Wird nicht Allbezüglichkeit deutlich? Fast scheint es Hinck so. So gestimmt gefallen ihm die Wortneuschöpfungen der sprachtraditionell eher respektlos vorgehenden Autorin besonders gut: "weißgesonnt", "muttergemalt". Das klingt nach frischem Wind im deutschen Sprachraum, meint Hinck.
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