Marion Poschmann spricht in ihren Gedichten Gefühle nicht direkt an, sondern bindet sie an Objekte. Dabei verschiebt sie die Grenze zwischen inneren Zuständen und äußeren Materialien, zeigt das Ich in dieser paradoxen Bewegung. Die Gedichte tragen ferne Landschaften und nahe Räume vors Auge. Poschmanns poetische Welt beginnt in der Topografie bekannter Erfahrung, um von dort das Fremde, Ungewöhnliche aufzurufen. Ob "Merkblätter für flachgelegte Häuser", eine "Barocke Serie" mit Madonnenporträts oder das Verschwinden im Weiß in "Sibirische Elegien", sie verliert sich nicht im kunstvollen Gestalten. Immer führt ihr genauer Sprachfluß in eindrucksvollen metaphorischen Wendungen durch die drei verschiedenen Kapitel ihres ersten Gedichtbandes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2002
Als thematisch erstaunlich geschlossen erweise sich das Lyrik-Debüt der in diesem Jahr bereits mit dem Roman-Erstling "Baden bei Gewitter" hervorgetretenen Autorin, stellt der Rezensent Richard Kämmerlings fest. "Stilleben" sind einige der Gedichte des ersten Teils überschrieben, im Grunde aber könnte das als Titel über dem ganzen Band stehen. Es geht darin, so Kämmerlings, um Stillstellungen, mitunter "am Rande des Pathologischen, der Katatonie". Im dritten Teil findet das Thema zudem seine Landschaft: den sibirischen Permafrost, in dessen Ruhe und Erstarrung sich diese Gedichte geradezu hineinzuwünschen scheinen. Der inhaltlichen Geschlossenheit stehen jedoch, bedauert der Rezensent, beträchtliche Niveauschwankungen gegenüber. Manches - das Gedicht "Madonna mit dem Kind und Engeln" etwa - findet er makellos, anderes aber "überkandidelt" und in der Wahl der Metaphern nicht sehr sicher.
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