Martin Mosebach

Taube und Wildente

Roman
Cover: Taube und Wildente
dtv, München 2022
ISBN 9783423280006
Gebunden, 336 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wie jedes Jahr verbringt die Familie Dalandt den Sommer in der Provence. Die Hitze macht träge, in der Zypresse zirpen Zikaden, und jeden Morgen läuft die Hausherrin im Nachthemd durch den Garten zum Pförtnerhaus, wo der Verwalter sie erwartet. Ihr Mann ist durch eine eigene verhängnisvolle Beziehung abgelenkt. Da entzündet sich ein Ehestreit an "Taube und Wildente", einem Stillleben aus dem 19. Jahrhundert. Was hat es mit dem zinnoberroten Punkt in seinem Zentrum auf sich, macht der es nicht zu einem modernen Meisterwerk? Aber die Frau will es verkaufen, die Spannung zwischen beiden wächst.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2022

Ein Kunstroman ist "Taube und Wildente", meint Rezensent Paul Jandl. Protagonist Ruprecht Dalandt hat eine Eingebung bezüglich eines Bildes, das sich ihm plötzlich als geniales Kunstwerk offenbart, erfahren wir, als eines, dessen Verkauf so einige figurative und tatsächliche Löcher stopfen könnte. Form, das Anschauliche, ist für Daland wie für Mosebach das Wesentliche an Kunst. Da gehts schon ins Metaphysische, meint Jandl leicht spöttisch. Wo die Form zerbricht, beginnt für beide "die Hölle des Unglaubens". Am Ende geht die ganze europäische Bürgerlichkeit in Flammen auf. Mosebachs Protagonisten scheinen es mit Haltung zu tragen, der Rezensent erkennt das nicht ohne Bewunderung an.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.10.2022

Rezensent Hubert Winkels fasst sich kurz bei der Wiedergabe der Handlung von Martin Mosebachs neuem Roman. Alles wie in Dantes Hölle, nur dass die Landgesellschaft aus einigen seelenkranken Exzentrikern im schönen Südfrankreich zusammenkommt. Hat Winkels sich erst an den moralisch gleichgültigen Erzähler gewöhnt, an die "kalte Ästhetik", an Anleihen beim Stil des 19. Jahrhunderts sowie eine schematische Ordnung der Emotionen, kann er sich an Mosebachs Programm der "gekonnten Übertreibung" und seiner "Sprache der Verzauberung" laben. Für Winkels ein durchaus erlesener Genuss.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2022

Kunst als Weltentwurf - das ist für Rezensentin Sibylle Anderl ganz zentrale Motivation für Martin Mosebachs neuen Roman. Es geht um ein Gemälde, ein Stillleben einer Jagd, das auf den ersten Blick nicht besonders spannend ist, doch Protagonist Ruprecht Dalandt meint, in dem Kunstwerk etwas Außergewöhnliches zu erkennen. Bild und Figur beginnen daraufhin, in einen für Dalandt lebensverändernden Dialog zu treten, stellt Anderl fest. Mosebach lote dabei psychische Tiefen und emotionale Hürden der Figuren behutsam aus. Die Rezensentin findet diese feingliedrige Arbeit des Autors sehr ansprechend, sie bewertet das Buch als ein "ungeheures ästhetisches Vergnügen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2022

Rezensentin Judith von Sternburg scheint sich gut unterhalten zu haben mit diesem Roman über einen alternden Verleger, der 60.000 Euro unterschlagen hat, um seiner Frau einen altmeisterlichen Schinken abzukaufen, den er als Meisterwerk erkennt. Es gibt ein gelegentliches "Aufflackern von Leidenschaft", Kolonialismus kommt vor und Täuschungen, die Sternburg bei der Stange halten. Altmeisterlich findet sie den Roman Mosebachs jedenfalls nicht, sondern vielmehr "unverschämt regellos" und "gegenwartshaltig".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.10.2022

Martin Mosebachs neues Buch ist für den Rezensenten Richard Kämmerlings nicht mehr und nicht weniger als ein vollendetes Romangemälde. Wie Mosebach vor provencalischer Kulisse ein deutsches Bildungsbürgerpaar samt geladenen Gästen aufeinander loslässt, bis schließlich die mühsam gehüteteten Geheimnisse und Neurosen sämtlich auf dem Esstisch liegen, das hat für Kämmerlings Klasse. Mosebachs kunstphilosophische Betrachtungen, der emotionale Sprengstoff der Figuren und Beziehungen und die Komposition des Ganzen erscheinen dem Rezensenten "altmeisterlich" inszeniert im besten Sinn.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2022

Als distanziertes Lob könnte man Ingeborg Harms' Kritik resümieren. Martin Mosebach erzählt in seinem neuen Roman von einer reichen, unglücklichen, bösartigen Familie und ein Stillleben des Frankfurter Malers Otto Scholderer, das die "Qualität traditioneller Kunst" beglaubigt. Mosebach entfaltet sein Familiendrama "gewohnt subtil" so Harms, die dennoch bei der Lektüre kein Feuer gefangen zu haben scheint.

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