Michael Hecker

Napoleonischer Konstitutionalismus in Deutschland

Cover: Napoleonischer Konstitutionalismus in Deutschland
Duncker und Humblot Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783428112647
Kartoniert, 204 Seiten, 64,00 EUR

Klappentext

Michael Hecker nimmt eine moderne verfassungsgeschichtliche Betrachtung des (rechtsrheinischen) napoleonischen Deutschlands vor. Korrespondierend zum in der Revisionsforschung vollzogenen Wandel in der Beurteilung der Rheinbundzeit wird er eine insgesamt differenziertere (positivere) Einschätzung des rheinbündisch-napoleonischen Konstitutionalismus abgeben. Sein Thema ist dabei in dreifacher Weise eingegrenzt. Er beschränkt sich zum einen auf die napoleonischen Rheinbundstaaten, das heißt die erst durch Napoleon künstlich geschaffenen und weitgehend französisch geprägten Staaten Berg, Westfalen und (mit Einschränkungen) Frankfurt. Außen vor bleiben die übrigen Rheinbundstaaten. Dies gilt sowohl für die 1808, 1809 und 1810 mit Verfassungen versehenen Staaten Bayern, Sachsen-Weimar und Eisenach sowie Anhalt-Köthen wie etwa auch für die zwar ohne moderne Verfassung, aber nicht ohne modernisierende Gesetzgebung regierten Staaten Baden und Württemberg. Die Beschränkung auf die drei klassischen Napoleoniden folgt der herkömmlichen Gruppenbildung unter den verschiedenen Rheinbundstaaten. Ihr liegt die Erwägung zugrunde, dass die Napoleoniden mit ihrer engen Anknüpfung an das Empire sowie der ihnen im Hinblick auf die übrigen Rheinbundstaaten zugedachten Modellstaatsfunktion einen eigenen Staatstypus nach napoleonischer Handschrift bildeten. Dessen konstitutionelle Strukturen herauszuarbeiten und abzubilden ist Anliegen der Untersuchung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2006

Gleich doppeltes Lob zollt Rezensent Christof Kraus dem Verfasser der Studie, Michael Hecker. Zum einen habe er mit den von Napoleon diktierten Zwangsverfassungen in Deutschland einen kaum bekannten Bereich der Verfassungsgeschichte aufgearbeitet, und dabei die neuere Forschungsliteratur berücksichtigt. Und zum anderen beweise Hecker die Größe und wissenschaftliche Integrität, seine "vollmundige" Ausgangsthese einer grundsätzlichen "Modernität und Fortschrittlichkeit" dieser Verfassungen im Verlaufe seiner Arbeit nahezu vollständig zurückzunehmen. Aus Sicht des Rezensenten mutet diese allmähliche Verfertigung einer Einsicht zwar "merkwürdig" an und sei auch an "versteckten Stellen" oder mitunter "widerwillig" formuliert. Wie das? Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, so der Rezensent, überprüfe Hecker den Verfassungstext anhand der sozialen und politischen Wirklichkeit, und da bliebe, nolens volens, von einem vermeintlich guten Willen Napoleons zur Demokratisierung nichts übrig als reine Machtinteressen. Die sogenannten Volksvertretungen im "Kunststaat" Königreich Westfalen seien beispielsweise beim geringsten Widerstand sofort ausgeschaltet worden. Auf ehrenvolle Weise reihe sich der Autor zuletzt, resümiert der Rezensent, in die Reihen derjenigen ein, die von Scheinverfassungen sprechen und eine "moderne deutsche Verfassungsgeschichte" doch erst nach dem Wiener Kongress sich entwickeln sehen.
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