Michael Manns auf mehrere Bände angelegtes Werk ist in den Sozialwissenschaften ohne Vorläufer. Band 1 und 2 behandelten den Zeitraum von der Frühgeschichte bis zum Zeitalter der Aufklärung. Gegenstand des dritten Bandes sind die politischen und sozialen Machtstrukturen der Periode zwischen dem Beginn der Industrialisierung und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.05.2002
Mit diesem letzten Band liegt Michael Manns "Geschichte der Macht" nun vollständig in deutscher Übersetzung vor. Und das ist, meint der Rezensent Peter Wagner, gut und wichtig so. Schon als Gegenposition zur neueren Soziologie, die sich mit der Systemtheorie an ein befriedigendes Theorie-Ende gelangt wähnt. Manns Grundthese nämlich lautet, "dass Gesellschaften keine Systeme sind". Stattdessen leistet er eine "Netzwerkanalyse von Machtformen", und zwar im Rahmen "vergleichender historischer Betrachtung". Die Geschichte ist, aus Manns Perspektive, immer offen und unvorhersehbar, abhängig von Strategien von Menschen, die sich mit den zu "Kristallisierungen" verfestigten historischen Umständen herumschlagen. Im Abschlussband betrachtet Mann unter diesem Blickwinkel die Geschichte der Arbeiterbewegung, nicht zuletzt in der Lektüre der Sozialgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts. Der Einbezug der Militärgeschichte in die Untersuchung verhindert, so Wagner, endgültig jede einsinnige Entwicklungslogik als geschichtsphilosophische These. Es ändert nichts am Klassikerstatus des Werks (bereits acht Jahre nach Erscheinen des Originals), meint der Rezensent, wenn man anmerkt, dass Mann auf die "sprachliche Verfasstheit der menschlichen Welt" größeres Augenmerk hätte legen können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2001
Nicht als historische Darstellung sollte man dieses Buch lesen, rät H.D. Kittsteiner, sondern als Denkanstoß nehmen. Und damit dieser auch funktioniert, empfiehlt Kittsteiner mit dem - kritischen - Nachwort zu beginnen. Das Nachwort liefert die Einführung zu Manns "Historischer Soziologie als Gesellschaftstheorie", weshalb es in dem Werk über die Entstehung der Klassengesellschaften und Nationalstaaten vor soziologischem Fachvokabular wie "Machtnetzwerke", "partikularistische Interessengruppen", "Militärapparate" usw nur so wimmelt. Das klingt nach einer Mischung von Marx und Weber, schreibt Kittsteiner. Brisant wird Manns Konzept "nicht intendierten absichtvollen Handelns" in Bezug auf dem Ersten Weltkrieg, da er hierbei an die "Fischer-Kontroverse" aus den sechziger Jahren anknüpft, so Kittsteiner, als man darüber diskutierte, inwieweit Deutschland den Ersten Weltkrieg forciert habe. Doch man würde den Ansatz Manns missverstehen, meint der Rezensent, wenn man ihn als Fischer-Gegner kategorisieren würde: Mann ginge es vielmehr darum, die "Nicht-Verfügbarkeit über die Resultate politischen Handelns" zu demonstrieren.
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