Jean-Henri Fabre

Erinnerungen eines Insektenforschers

Band 1
Cover: Erinnerungen eines Insektenforschers
Matthes und Seitz, Berlin 2010
ISBN 9783882216646
Gebunden, 304 Seiten, 36,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Friedrich Koch. Jean-Henri Fabre stand mit vielen Geistesgrößen seiner Zeit in Kontakt, beispielsweise mit Charles Darwin, dessen Auffassung der Instinkte und der Entstehung der Arten er vehement ablehnte. Doch mit seinen Erinnerungen schuf er ein unvergleichliches, unerschöpfliches künstlerisches Monument, ein so ungewöhnliches wie herausragendes literarisches Meisterwerk, mit dem es ihm gelingt, dem Leser die Poesie des Lebens und der Natur zu offenbaren. "Ich glaube nicht an Gott, ich sehe ihn", versicherte er im hohen Alter. Inmitten einer positivistischen Welt, die Analyse und Berechenbarkeit absolut setzt, entdeckt Fabre die Schönheit der Schöpfung. Sein nie endendes Staunen vor den Wundern der Natur und ihrer Schönheit fasste er in Worte und wurde damit für Generationen von Schriftstellern, von Victor Hugo, Marcel Proust und Andre Gide über die Surrealisten bis hin zu Ernst Jünger zum Vorbild und Inspirationsquelle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2010

Alexander Kissler hat Friedrich Koch besucht, der sich seit 2002 der Übersetzung von Jean-Henri Fabres "Erinnerungen eines Insektenforschers" verschrieben hat, und stellt eine sympathische Geistesverwandtschaft zwischen Übersetzer und dem 1915 gestorbenen Naturforscher fest. Von 1879 bis 1907 wurde Fabres zehnbändiges Werk publiziert, von dem nun, nach einem Auswahlband von 1961, der erste Band von Kochs vollständiger Übersetzung erscheint, erklärt der Rezensent. Ihn begeistert die Warmherzigkeit und Lebensklugheit, mit der Fabre sich der Insektenwelt widmet und ihn von der "Charakterfestigkeit" der Wespen oder der Unbeirrtheit von Skarabäen schwärmen lässt. Die gleiche Zugewandtheit entdeckt er aber auch bei Friedrich Koch, der schon als Kind Insekten liebte und auch aus seiner Sympathie für den französischen Insektenforscher keinen Hehl macht, wie Kissler bemerkt. Der Rezensent hat sich den wunderbar altmodisch anmutenden Schreibtisch des Übersetzers zeigen lassen und betont, dass der 76-Jährige nicht nur bei der Übertragung des französischen Originals, sondern auch im Gespräch stets den "plastischen und unverbrauchten Begriff" favorisiert. Und so sieht Kissler auch Fabres Wechsel von erzählenden Passagen und aphoristischer Pointiertheit in der deutschen Übersetzung sehr ansprechend wiedergegeben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2010

Diesen ersten von zehn geplanten Bänden Jean-Henri Fabres hält Helmut Mayer für den hinreißenden Auftakt zu einer verlegerischen Großtat. Laut Mayer kommt hier der Fabre des langen epischen Atems und der bahnbrechenden Einsichten in das Verhalten der Insekten auf zurückhaltend illustrierte Weise richtig zur Geltung. Wenn Jean-Henri Fabre Skarabäen, Grabwespen und Bienen in ihrem natürlichen Lebensraum und im Labor unter die Lupe nimmt, um erstaunliche Instinkthandlungen und ihre Bindung an bestimmte Kontexte detailliert darzustellen, weiß Mayer, dass er es hier mit einem Naturgeschichtler zu tun hat, der die Tradition der naturgeschichtlichen Betrachtung fortführt und zugleich modernisiert. Schade bloß, findet der Rezensent, dass der Kommentarteil nicht auf spätere Einsichten der Zunft eingeht und so manche Frage offen lässt. Ein Wort zur Entstehung und Rezeption des Buches hätte er auch gern gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.04.2010

Sehr enthusiastisch begrüßt Sibylle Lewitscharoff, dass ein Jahrhundert nach Erscheinen im französischen Original nun das Werk des bedeutenden Insektenforschers zugänglich gemacht wird,  das sie "eines der großartigsten Werke" nennt, die je geschrieben wurden. Darüber hätten sich, wie Lewitscharoff schreibt, fasziniert nicht allein Insektenforscher, sondern auch die Surrealisten oder Ernst Jünger gebeugt, der jede Zeile gekannt hätte. Jean-Henri Fabre sei nicht allein ein präziser Beobachter sondern schreibe so mitreißend, dass man auch heute noch als Leser in "die heiße Kammer seiner Entdeckungen" gezogen werde. Denn hier habe man es nicht mit der "faden Jammerware" heutiger Biologen zu tun, sondern einer "träumerischen Balance" zwischen bewunderndem Lesen in "Gottes großem Buch der Schöpfung" und moderner Forscherhaltung. Fabres Insekten seien auch noch keine "Molekularhaufen" oder "genetisch kodierte Maschinen" sondern "beseelte Luftapparätchen". Besonders Übersetzer Friedrich Koch wird für seine wunderbar frische Arbeit ohne störende Modernismen gelobt. Aber auch der Zeichner Christian Thanhäuser und der publizierende Matthes & Seitz-Verlag erhalten eine Extraportion Lob.

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