Lucas Preis 2001. Mit einer Parallelübersetzung ins Englische. Herausgegeben von Eilert Herms.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2002
Dass ein Vergangenheitshorizont "kein lediglich institutionell aufgespannter" sein kann, sondern zugleich der "Gesichtskreis von Individuen" sein muss, damit das "öffentliche Gedächtnis" nicht seinen Rückhalt verliert, diese Erkenntnis verdankt Uwe Justus Wenzel dem vorliegenden Büchlein. Aufmerksam verfolgt er des Autors Verständnis von Erinnerung als ein gegen das "landläufig herrschende" der "Erlebniserinnerung" konturiertes, verweilt mit ihm bei Hegels prozessualem Modell der "Er-innerung", nur um sich, gleichfalls mit Theunissen, wieder abzuwenden, weil "die Gestalt, die das 'geschichtliche Sein' in unserer Zeit angenommen habe, ihre restlose Aneignung (verwehre)". Bei den Begriffen, die Theunissen im Zusammenhang mit dem Unsagbaren erwägt, schließlich scheiden sich die Wege: Sünde und Pflicht (der Erinnerung dessen, "was wir nicht erinnern wollen"). "War nicht aber auch", fragt der Rezensent nun ungläubig, "von einem Nichtkönnen die Rede?"
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