Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Jean-François Kervégans langjährige Auseinandersetzung mit dem Werk Carl Schmitts verfolgt ein doppeltes, ein didaktisches sowie ein begriffliches Ziel. Der erste Teil des Buches enthält wichtige Angaben zur Lebens- und zur Werkgeschichte, die die komplizierte und polemische Rezeption seiner Schriften erklären können. Der zweite Teil des Buchs enthält den Versuch, mit Bezug auf fünf distinkte begriffliche Felder (Theologie, Normativität, Legitimität, Politik, Welt) die Richtigkeit und Fruchtbarkeit des Schmittschen Denkens zu prüfen. Es geht sozusagen darum, "mit Carl Schmitt gegen Carl Schmitt" zu denken. Der Zweck dieser Überlegungen besteht darin, in Bezug auf die genannten Gegenstände zu zeigen, dass es sich empfiehlt, im doppelten Sinn der Redewendung "von Carl Schmitt auszugehen". Das heißt: Solange es fruchtbar scheint, sollte man sich seine Begrifflichkeit frei aneignen. Ansonsten aber von ihr Abschied nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2019
Der hier rezensierende Politikwissenschaftler Florian Meinel hat dieses Buch des französischen Philosophen Jean-Francois Kervegan mit Interesse gelesen. Der Ansatz der Autors, das Spannungsverhältnis in der Kategorienwelt Carl Schmitts zu untersuchen, erscheint Meinel zwar nicht neu, aber dennoch lesenswert: Wenn Kervegan Schmitts Werk daraufhin untersucht, wie jener zwar "großartige" Fragen stellte, aber falsche Antworten fand, taucht der Kritiker nicht nur tief in die Denkwelt Schmitts ein, sondern bewundert auch Kervegans Kenntnis noch so entlegener Texte. Während Meinel jene Kapitel, in denen sich Kervegan mit der "immanenten Kritik" in Schmitts Texten zur politischen Theologie und zum Anti-Universalismus beschäftigt, mit Gewinn liest, gerät ihm anderes zu kurz oder zu repetitiv. Während er dem Autor darüber hinaus ankreidet, dass dieser kaum auf Schmitts Texte aus den Jahren 1933 bis 1936 eingeht, verdankt er dem Buch interessante Einblicke in die französische Schmitt-Rezeption.
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