Nadeschda Mandelstam

Erinnerungen an Anna Achmatowa

Cover: Erinnerungen an Anna Achmatowa
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518224656
Gebunden, 205 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Christiane Körner, mit einem Nachwort von Pawel Nerler. Nadeschda Mandelstam (1899-1980), die ihren Mann, den Dichter Ossip Mandelstam, um viele Jahre überlebte, hat sich im Alter mit ihren Memoiren "Das Jahrhundert der Wölfe" und "Generation ohne Tränen" international einen Namen gemacht. Erst vor wenigen Jahren wurden in ihrem Nachlass Erinnerungen an Anna Achmatowa (1889-1966) entdeckt - ein bewegendes Dokument der Freundschaft in schwierigsten Zeiten. Achmatowa, die charismatische, unbeugsame Dichterin, bangt um ihren Sohn, der in den stalinistischen Gefängnissen inhaftiert ist, während die Freundin die Gedichte ihres 1938 im Lager umgekommenen Mannes rettet - indem sie jede Zeile seiner verbotenen Texte im Gedächtnis bewahrt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2012

Judith Leister begrüßt diese deutsche Ausgabe von Nadeschda Mandelstams "Erinnerungen an Anna Achmatowa", die über vierzig Jahre lang als verloren galten. Sie rekapituliert das Leben der russischen Dichterin, geht auf deren langjährige Freundschaft mit Mandelstam ein, berichtet über die Erfahrungen von Krieg, Repressionen und Terror unter Stalin, die die Autorin mit der Dichterin verbanden. Eine klassische Biografie sieht Leister in Mandelstams nichtchronologischen Erinnerungen an Achmatowa nicht. Doch die zahlreichen Momentaufnahmen der Dichterin ergeben für sie ein "alltagsnahes Bild". Sie unterstreicht, dass die Autorin keine Schönfärberei betreibt und auch die weniger positiven Eigenschaften von Achmatowa - ihren Jähzorn, ihre Rechthaberei, ihre Eifersucht usw. - zur Sprache bringt. Das Fazit der Rezensentin: eine "späte Entdeckung".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2012

Ein mit Passion und berührender Authentizität geschriebenes Freundschaftsbuch, eine vorbehaltlose Hommage und eine "Poethik" in finsteren Zeiten bewundert Felix Philipp Ingold in Nadeschda Mandelstams "Erinnerungen an Anna Achmatowa". Der Text, den der Rezensent als "rasant" geschrieben und ungeheuer klug preist, ist spät im Leben der Autorin entstanden, konnte erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs veröffentlicht werden und liegt nun seit kurzem auf Deutsch vor, erfahren wir. Auch wenn Achmatowas problematischen Eigenschaften wie Eifersucht, der Hang zu Klatsch und vorschnellen Urteilen oder Arroganz von Mandelstam nicht ausgespart werden, bleibt dieses Buch doch ein Dokument ungetrübter Verehrung für diese "Ikone des inneren Widerstands", bemerkt Ingold. Furchtlos, authentisch, berührend und "provokant" sind Mandelstams Erinnerungen für Ingold und damit sowohl Dichter- wie Lebenskunstschule, aus der bis heute zu lernen ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2011

Bewegen und mitreißen lassen hat sich Alexander Cammann von Nadeschda Mandelstams Erinnerungen an ihre Freundin Anna Achmatowa. Er enthält uns nicht vor, dass das Manuskript der 1980 verstorbenen Witwe Ossip Mandelstams nur durch einen Zufall erhalten geblieben ist und somit 2008 auf Russisch erscheinen konnte. Was den Rezensenten an diesem sehr subjektiv gehaltenen Porträt einer Freundschaft so berührt, ist, wie sich bei all den zeithistorischen Katastrophen, die die Frauen erleben, auch die Lust an der Intrige, des Klatsches und den Lästereien immer wieder Bahn bricht. So stimmen diese Erinnerungen Cammann gleichermaßen nachdenklich und bieten kurzweilige Lektüre und sind zudem frei von jeglicher Larmoyanz, wie er lobt. Richtig beeindruckt aber hat ihn der "Stolz" der Frauen auf die die Politik überdauernde und übertrumpfende Dichtung.

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