Die kunstwissenschaftliche Perspektivierung auf Heiner Müllers Werk lässt gänzlich neue Bezugssysteme und Lesarten zu und widmet sich der Erforschung bislang wenig erschlossener Dimensionen seines Gesamtkunstwerks.Heiner Müller hat seine Affinität zur bildenden Kunst nie verschwiegen. In seinen Theatertexten, Schriften, Gedichten und Gesprächen finden sich von Beginn an zahlreiche Verweise auf Künstler, Kunstwerke und deren Techniken. Doch welchen Zweck verfolgt Müllers Dialog mit der bildenden Kunst? Nils Emmerichs folgt den bisher unentdeckten Bildspuren, die vom sprachmächtigsten deutschen Dramatiker nach 1945 hinterlassen wurden, um eine neue Perspektive auf den Künstler Heiner Müller zu eröffnen.
Ein schlaues Buch, das der umfangreichen Heiner-Müller-Rezeption Entscheidendes hinzufügt, hat Nils Emmerichs laut Rezensent Jakob Hayner geschrieben. Es beschäftigt sich mit der Rolle der Malerei im Werk Müllers und analysiert nicht nur Müllers Schriften und Theaterarbeit dahingehend, sondern interessiert sich auch für die Bildbände in Müllers Privatbibliothek. Emmerichs stellt dar, wie sich Müller seit den 1970er Jahren vor allem der Kunst der USA zuwandte, auch auf die Bewunderung Müllers für Tintoretto sowie die Vorliebe des Theatermachers für Collagetechniken geht das Buch ein, freut sich der Kritiker. Insgesamt waren Bilder für Müller wichtig, weil sie sich politischen Pressionen stärker entziehen konnten als Sprache und außerdem, weil sich in ihnen der für Müller so wichtige Wert des Neuen ausdrückt, liest der Kritiker. Insofern hat Emmerichs hier wirklich einen Schlüssel zu Müllers Gesamtwerk ausfindig gemacht, freut sich Hayner.
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