Vom "Bollwerk des Deutschtums im Osten" über die "Brücke zwischen den großen politischen Blöcken" zur "Insel der Seligen" und zuletzt zum Außenseiter der EU: In den vergangenen Jahrzehnten haben die Bilder, in denen sich Österreich spiegelte, gewechselt - in Balance zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex, zwischen Engagement, Erfolg und Isolation. Der Historiker Oliver Rathkolb analysiert in zehn Kapiteln Kernthemen österreichischer Politik und Zeitgeschichte in den letzten sechzig Jahren. Darüber hinaus zeichnet er die Profile der Kanzler und wirft einen kritischen Blick auf die Perspektiven der Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2005
Instruktiv findet Rezensent Christian Jostmann dieses Buch über die "paradoxe Republik" Österreich von Oliver Rathkolb. Der Autor, Herausgeber von Kreiskys Memoiren und Direktor des Boltzmann-Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit, greife gezielt jene Inhalte der Geschichte heraus, die bis heute die österreichische Identität prägen - Neutralität, Wirtschaftswunder, Wohlfahrtsstaat, Demokratie - , und unterziehe sie einer "kritischen Analyse". Er diagnostiziere an seinen Landsleuten eine "Verschweizerung in den Grundmentalitäten", die in Zeiten von Globalisierung und Europäisierung Anpassungsprobleme erzeuge. Überdies halte er Österreich eine verzerrte Wahrnehmung der außenpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten vor, die zwischen Minderwertigkeitsgefühl und maßloser Selbstüberschätzung schwanke.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 26.11.2005
Eine gut lesbare und profunde Analyse der jüngeren österreichischen Zeitgeschichte hat der renommierte österreichische Historiker Oliver Rathkolb geschrieben, resümiert Rezensentin Eva Linsinger zufrieden. Dabei konzentriere sich der Verfasser auf Kontinuitäten und Widersprüche, die aus einer spezifischen "politischen Kultur, Demokratie- und Wirtschaftsentwicklung" resultieren. Ausgehend von der Grundthese, dass die Verquickung aus einem "latent autoritären Potenzial" und der spät einsetzenden Aufarbeitung der NS-Zeit eine paradoxe Konstellation ergibt, die sich im Selbstbild als "Opfer" manifestiert, arbeite sich der Autor durch das österreichische Dickicht. Von der herausragenden Position der "Kronenzeitung" über die Euro-Skepsis in der Bevölkerung bis zum ökonomischen Selbstverständnis als "Inselwirtschaft der Seligen", verstehe es Rathkolb in konzentrischen Kreisen einen Bogen zu schlagen, staunt Linsinger, der sich in sorgfältigen Detailanalysen widerspiegelt und dem Leser einen kritischen Erkenntnisgewinn bescheren.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…