Panajotis Kondylis

Konservativismus

Geschichtlicher Gehalt und Untergang
Cover: Konservativismus
Matthes und Seitz, Berlin 2023
ISBN 9783751803601
Gebunden, 869 Seiten, 58,00 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Daniel-Pascal Zorn. Der Philosoph und Ideenhistoriker Panajotis Kondylis wendet sich in dieser lange Zeit vergriffenen, noch immer neuartigen und verblüffenden Interpretation gegen die Auffassung vom Konservativismus als Reaktion auf die Französische Revolution. In brillanten Gedankengängen, die ihn von Bonald und Burke über Carlyle und Chateaubriand zu Fénelon, de Maistre und Schlegel führen, weist er nach, dass der Konservativismus als soziale und politische Kraft bereits seit dem Mittelalter existierte, wo der Adel und sein Ständesystem aufkommende egalitäre Interpretationen des Rechts bekämpften. Doch Kondylis geht noch einen Schritt weiter und zeigt, wie der Konservativismus sich an die jeweilige Realität des ohne ihn nicht denkbaren modernen souveränen Staates anpasste, und analysiert ihn als politische Kraft, die in überraschenden Formen immer wieder auftaucht. So gelingt es ihm etwa aufzuzeigen, wie sich die zentralen Themen der sozialistischen Kapitalismuskritik im ideologischen Bereich der Gegenrevolution herausbildeten und bis heute idealisierte Bilder einer vorkapitalistischen Realität in Umlauf brachten. Konservativismus ist der nötige Beitrag, um die politischen und kulturellen Debatten unserer Zeit besser zu verstehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2023

Der Konservatismus ist laut Kondylis zwar schon ein Weilchen tot. Die Rezensenten aber beugen sich voller Faszination über seine neu aufgelegte Autopsie. Wie die anderen Rezensenten auch stellt Nachwuchspolitologe Oliver Weber vor allem Kondylis' überraschenden Ursprungsherd des Konservatismus vor, nämlich nicht die Reaktion auf die Französische Revolution, sondern längst vorher schon das Unbehagen der adligen "societas civilis" mit einer sich zentralisierenden Monarchie. Der Konservatismus wäre also ursprünglich eine Fronde gegen diesich vollziehende Trennung von Staat und Gesellschaft und auch das Erwachen aus dem süßen Schlummer seiner Privilegien, also der Einheit von Privat- und Allgemeinheit in der Figur des Grundherren. Der Adel musste sich anpassen, referiert Weber, aber die Ideen des Konservatismus erschöpften sich im Grunde schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Unfruchtbar war er dennoch nicht: Aus seinen Überresten bediente sich fortan der Liberalismus, so Weber mit Kondylis. Seine ausführliche Kritik muss man als Leseempfehlung verstehen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.03.2023

Mladen Gladic erinnert zu Beginn einer Kritik an die Figur des Panajotis Kondylis, eines akademischen Außenseiters, der offenbar auf eine universitäre Karriere verzichtete, nachdem seine Promotion über die Entstehung der Dialektik keine "Summa cum laude"-Bewertung erhielt. Dennoch war er an renommierten Projekten wie der Schriftenreihe zu den "Geschichtlichen Grundbegriffen" beteiligt. Deren Mitherausgeber Reinhart Koselleck gehörte zu Kondylis' Förderern. An dem jetzt wieder aufgelegten Buch mit dem bei näherem Hinsehen vernichtenden Titel "Konservatismus - Geschichtlicher Gehalt und Untergang" fasziniert Gladic vor allem, dass Kondylis den Konservatismus nicht, wie üblich, als Reaktion auf Revolution und Aufklärung darstellt, sondern seinen Ursprung schon im 18. Jahrhundert ansiedelt. Konservatismus wäre demnach eine Idealisierung der adligen "societas civilis", die sich schon gegen den Absolutismus und andere Rationalisierungstendenzen richtete. Seit dem 19. Jahrhundert, so referiert Gladic, leben Konservative in einem Widerspruch, der sie dauerhaft scheitern lässt. Sie stehen nolens volens "auf dem Boden der längst siegreichen liberalen Revolution" und müssen mit modernen Mitteln konkurrieren. Eine gute Prognose stellt ihnen Kondylis laut Gladic nicht.

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