Aus dem Französischen von Sigrid von Massenbach. Was für ein abenteuerliches Leben: Kindheit in der bretonischen Heide, Wanderungen durch die Wälder der Neuen Welt, Engagement in der konterrevolutionären "Armée des Princes" in Deutschland, Exil in England. Geschrieben im Stil einer Grabrede, schildert Chateaubriand in seinen Erinnerungen die Hauptepisoden seines wechselvollen Lebens, er schreibt über das Verschwinden von Menschen und Landschaften, von Glauben, Sitten und Institutionen. Er schuf das Epos einer Zeit der Aufstände und Katastrophen, eine Zeit, die er selbst perfekt verkörperte. Monarchist aus Tradition und Treue, verstand er als Historiker und Politiker doch die Notwendigkeit, den Liberalismus zu verteidigen. Die Stimme seiner Erinnerungen lässt die Kräfte auferstehen, die während der Restauration am Werk waren: Bilder des alten Frankreichs mit der Einfachheit des provinziellen Lebens, Gespräche zwischen Männern mit Geschmack und gebildeten Frauen in den Schlössern bei Paris, Rufe ferner Schlachten und politische Umwälzungen. Eine Stimme, die sich nach der Jugend, der Liebe und dem Ruhm sehnt und sich stets an die Nachwelt wendet, um verstanden zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2017
Fasziniert hat sich Rezensent Eberhard Rathgeb auf die Spuren von Francois-Rene de Chateaubriand begeben. Der Kritiker vermag zwar nicht zu sagen, ob alles stimmt, was Chateaubriand in seinen Memoiren erzählt, als meisterhaften Roman über die Entwicklung eines jungen Träumers zum großen Intellektuellen und die Prägung durch die Französische Revolution kann er das Buch aber nachdrücklich empfehlen. So begleitet der Rezensent den Autor auf seinen zahlreichen Reisen quer durch Europa, die Vereinigten Staaten und den Orient, liest, wie jener sich zerrissen zwischen Bewunderung und Abneigung an Napoleon abarbeitet und erlebt, wie der romantische Dichter sein Leben stets aus dem Geist des Todes heraus betrachtete.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.03.2017
Rezensent Karl-Heinz Ott rät dringend zur Entdeckung des französischen Schriftstellers Francois-Rene de Chateaubriand, der von Flaubert, Hugo und Proust verehrt wurde und in Frankreich einen ähnlichen Ruf genießt wie Goethe hierzulande, erklärt der Kritiker. In Ermanglung einer Gesamtübertragung freut sich der Rezensent zumindest über die Wiederauflage von Sigrid von Massenbachs bereits 1968 erschienener eleganten Übersetzung der "Erinnerungen von jenseits des Grabes". Mit den Kürzungen kann der Kritiker gut leben, wenngleich er Chateaubriands herausragende Landschaftschilderungen vermisst, die seiner Meinung nach zum "Besten" gehören, was Literatur hervorgebracht hat. Nichtsdestotrotz lässt sich Ott einmal mehr von dem französischen Schriftsteller und Politiker auf einen Streifzug durch vergangene Welten mitnehmen, liest dessen "eindrückliche" Gedanken zur Revolution oder dem Despotismus Napoleons, erlebt Wiederkehr und Sturz der Bourbonen und bewundert Chateaubriands herrliche Charakterstudien seiner Zeitgenossen.
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