Louis de Bonald, Joseph de Maistre

Europa auf dem Pulverfass

Briefwechsel 1812 - 1821
Cover: Europa auf dem Pulverfass
Matthes und Seitz, Berlin 2021
ISBN 9783751800464
Gebunden, 195 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einer Einleitung von Alexander Pschera. Reaktion und Gegenaufklärung auf höchstem Niveau! Der Vicomte Louis de Bonald und der Comte Joseph de Maistre zählen zu den wichtigsten Vertretern der französischen Reaktion und Gegenaufklärung. Persönlich sind sich diese beiden brillanten Autoren nie begegnet, aber sie haben ihre Gedanken in einer umfangreichen Korrespondenz ausgetauscht. Der hier erstmals in deutscher Übersetzung zugängliche Briefwechsel stellt somit ein einzigartiges Dokument aus der Zeit der Restauration dar. Er bietet tiefen Einblick in den politischen Alltag eines von konträren geistigen Strömungen aufgewühlten Frankreichs, aber vor allem auch in das philosophische Denken der beiden Intellektuellen, deren Ziel eine monarchistische Erneuerung Frankreichs war. In ihren eleganten und vor Geist sprühenden Briefen geht es aber immer auch um Fragen, die noch heute die politischen Agenden bestimmen: um die Idee eines geeinten Europas, um das Sterben von Nationen, um den Geist der Gesetze und um das Leben im Exil. Ergänzt wird diese kommentierte Edition durch einen ebenfalls erstmals ins Deutsche übertragenen Text von Jules Barbey d'Aurevilly aus dem Jahr 1851, mit dem die Rezeption dieser außergewöhnlichen Autoren beginnt, um später dann mit Emil Cioran, Isaiah Berlin und Robert Spaemann ihren Höhepunkt zu erfahren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2022

Rezensent Benjamin Loy katapultiert der von Alexander Pschera "sorgfältig" edierte Briefwechsel zwischen Louis de Bonald und Joseph de Maistre zurück zum Beginn der Restauration unter Ludwig XVIII. Wie die beiden Briefeschreiber in St. Petersburg bzw. Paris die Gegenaufklärung betreiben, mit Verve, Verzweiflung und vor allem mit viel Ironie, macht Loy Freude. Den Leser erwartet keine Tagespolitik, sondern das Wälzen von einander widerstreitenden Ideen. Wie die beiden Vorstellungen von universellen Menschenrechten etwa bei Rousseau wortreich bezweifeln und "hellsichtig" die Entfesselung gieriger Märkte befürchten, findet Loy lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2022

Eric Zemmour ist nicht der erste Franzose, der sein Land am Ende sieht. Ähnlich empfand es beispielsweise auch der Royalist Joseph de Maistre, dem die Restauration nach 1814 nicht weit genug ging, erzählt Kritikerin Claudia Mäder, die den gerade erschienenen Briefwechsel zwischen den adeligen Reaktionären Joseph de Maistre und Louis de Bonald gelesen hat, in ihrer sehr lesenswerten Rezension. Nach Ansicht der beiden war der Mensch vor Gott nicht berechtigt, etwas Neues - wie beispielsweise eine Verfassung - zu schaffen. Und auch das linke Konzept des Universalismus war ihnen zuwider, erklärt Mäder. "Den Menschen" gab es für de Maistre nicht, lernen wir, nur Franzosen, Italiener, Russen und - so hat es ihm jedenfalls Montesquieu versichert - Perser. Wer diesen Band liest wird verstehen, dass Zemmour heute praktisch eine "moderne Interpretation des alten gegenrevolutionären Denkens" liefert, meint die Kritikerin.

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