Patricia Evangelista

Some People Need Killing

Eine Geschichte der Morde in meinem Land
Cover: Some People Need Killing
CulturBooks, Hamburg 2025
ISBN 9783959882477
Gebunden, 368 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem philippinischen Englisch von Zoe Becker. Patricia Evangelista wuchs auf in den Nachwehen einer demokratischen Straßenrevolution, die den Philippinen eine neue Zukunft bescherte. Drei Jahrzehnte später muss das Land erfahren, wie schnell es geschehen kann, dass eine Nation in eine gewaltsame Autokratie abgleitet. In Evangelistas Reportage berichtet die  Journalistin von Präsident Rodrigo Dutertes sogenanntem Krieg gegen die Drogen - einem staatlich sanktionierten Feldzug, bei dem Tausende philippinische Bürger brutal ermordet wurden. Sie taucht tief ein in die Welt der Täter und Überlebenden und fängt die Atmosphäre des Schreckens ein, die sich ausbreitet, wenn ein gewählter Präsident entscheidet, dass einige Leben weniger wert sind als andere. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.10.2025

Rezensentin Claudia Fuchs ist erschüttert vom ausgezeichneten literarischen Journalismus, den die philippinische "Trauma-Reporterin" hier bietet. Evangelista schreibt über die vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte im scheinbaren Zeichen eines Anti-Drogenkrieges sanktionierten Morde an Kleindealern und Drogenabhängigen. Unbeteiligte, die im Schussgefecht starben, wurden schlicht als Kollateralschäden abgetan, fingierte Protokolle inszenierten die Auseinandersetzungen immer als polizeiliche Notwehr. Fuchs lobt den sprachlichen Feinsinn, mit dem Evangelista solche und weitere "Vernebelungstaktiken" entblößt. Darunter auch die euphemistische Vorgehensweise von Duterte selbst, der öffentlich nie zum Mord aufrief, sondern sich vor der Wahl als nahbarer Mann des Volkes präsentierte, erfährt Fuchs. Evangelista gelinge es mit ihrem detektivischen Spürsinn aufzudecken, wie durch bewusste Sprachverdrehung und Faktenleugnung eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der zunehmenden Gewalt hergestellt werden konnte, was bereits der lakonische Buchtitel vorbereite. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2025

Rezensent Ulrich Gutmair zeigt sich schwer beeindruckt von dem Buch, das Patricia Evangelista über die Tötungen geschrieben hat, die der Präsident Rodrigo Duterte in seiner schreckensreichen Herrschaft angeordnet hat. Vorgeblich richteten sich die Tötungen gegen Drogendealer, den Polizisten oder Bürgerwehren fielen aber vielfach auch Kinder zum Opfer oder Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren - von Gutmair erfahren wir, dass Evangelista als Reporterin des Magazins Rappler darüber berichtet hat. Wie wir lesen, muss sie irgendwann das Land verlassen, zu bedrohlich ist die Situation, davon schildert sie präzise und verflicht auch die Geschichte ihrer immer schon journalistisch tätigen Familie darin, so der Kritiker. Ihn überzeugt das Buch auch mit der Hinwendung zur Identität der Opfer, denen die Autorin hier eine Stimme gibt, wie er schließt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.09.2025

Eine große Relevanz hat das Buch der philippinischen Journalistin Patricia Evangelista auch weit über die Phillipinen und die Analyse der brutalen Herrschaft Rodrigo Dutertes hinaus, hält Rezensent Christian Rabhansl fest. Denn, indem Evangelista schildert, wie das Töten im Namen des Kampfs gegen die Drogen plötzlich "wie von selbst" passierte, zeigt sie universale Mechanismen des Zivilisationsbruches auf. Evangelista hat die Morde, die unter Duterte passierten, akribisch recherchiert, so Rabhansl, hat mit Angehörigen gesprochen, die Tatorte aufgesucht, die letzten Worte der Ermordeten aufgezeichnet. Duterte stellte quasi einen Freibrief aus, mit dem jeder straflos zum Mörder werden konnte. So ging eine Welle des blutrünstigen, alltäglichen Mordens los, die längst nicht nur Drogenkrimininelle betraf, sondern jeden, der sich ihr in den Weg stellte - die enorme Brutalität, die Evangelista schildert, ist nur zu ertragen, weil sie klug auch die sprachlichen Mechanismen der Entmenschlichung seziert, die solche Gesellschaftsverbrechen möglich machen, so der Kritiker: So setzt sie der entmenschlichenden Sprache Dutertes eine nüchterne "Sprache der Aufklärung" entgegen. Das ist eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres, versichert der Rezensent. 

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