Das M-Wort
Gegen die Verachtung der Moral

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783608966930
Gebunden, 224 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Können wir uns eine Welt ohne Moral überhaupt leisten?In einer Zeit, in der Moral im gesellschaftspolitischen Diskurs bereits zum Unwort verkommen scheint, stellt Anne Rabe die entscheidende Frage: Können wir uns eine Welt ohne "M-Wort", ohne Moral leisten? Anhand konkreter Beispiele - wie dem Umgang mit Armut, Migrations- und Klimapolitik, steigender Radikalisierung - beleuchtet sie auf persönliche Weise die gefährlichen Folgen der Verächtlichmachung von Moral in Deutschland. Im Januar 2025 erlebt Deutschland einen Tabubruch: Zum ersten Mal seit Gründung der Bunderepublik sind es Rechtsextreme, die in einer Abstimmung im Bundestag für die entscheidende Mehrheit sorgen. Das ist nur der vorläufige Höhepunkt einer schon lange zu beobachtenden Verschiebung im politischen Diskurs. Die neuen Weichenstellungen des 21. Jahrhunderts haben die Demokratien weltweit unter Druck gesetzt. Autokratien und Imperialismus sind wieder auf dem Vormarsch. Moralische Beweggründe sind nicht mehr an oberster Stelle der Tagesordnung. Welch verführerischer Sog darin liegt, kann man überall dort beobachten, wo auch Demokraten ihm nachgeben.
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Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 29.11.2025
Anne Rabe setzt sich in ihrem neuen Buch damit auseinander, wie der Rechtsruck gestoppt werden kann: Es geht um die Moral, ein Begriff, der mittlerweile "zum Unwort verkommen" ist, so Rezensentin Anna Lehmann. Die konservative Ausrede ist oftmals, dass ein zu gerechter Umgang etwa mit Minderheiten Reaktionen von rechts provoziere, Rabe sieht das anders; die rückgratlose Morallosigkeit ermögliche dieses Verhalten. Lehmann ist in Rabes Deklination der Verhältnisse besonders von ihren Schilderungen aus dem ländlichen Ostdeutschland überzeugt; in vielen Fällen nutze die AfD prekäre Haushaltslagen, um ihren Kulturkampf durchzusetzen. Ein wichtiges Plädoyer, befindet die Kritikerin. das
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.09.2025
Rezensentin Anne-Kathrin Weber ist positiv beunruhigt von Anne Rabes Essay über die von rechter und konservativer Seite erfolgende Instrumentalisierung des Moralbegriffs. Durch den zunehmenden Verlust akzeptierter moralischer Wertmaßstäbe werde der Verweis auf die Moralkeule zu einem bewusst ermüdenden Totschlagargument zwecks der Verdrängung progressiver Ideen, liest Weber. Für die Kritikerin gilt das gesamtgesellschaftlich, auch wenn Rabe sich in ihren Überlegungen - etwa zu den "Montagsspaziergängen" im sächsischen Waldheim - auf Ostdeutschland fokussiert. Angetan ist die Kritikerin von der scharfzüngigen Genauigkeit des Textes, wenn Rabe beispielsweise darauf hinweist, dass die kommunale Zusammenarbeit von rechtsextremen und demokratischen Parteien nicht ignoriert werden sollte, da bereits auf dieser Ebene gewichtige Beschlüsse getroffen würden. Weber wird deutlich, dass für Rabe eine linke Haltung moralisch richtig ist, doch genau reflektiert und definiert wird Moral nicht, bedauert sie. Dennoch fühlt sich Weber von diesem Essay "nachdrücklich in die Pflicht genommen".
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 25.08.2025
Rezensentin Marie-Luise Goldmann ist mit Teilen der Analyse der gegenwärtigen Diskussion über Moral, die Anne Rabe hier unternimmt, durchaus einverstanden, ob das Buch insgesamt wirklich hilfreich ist, weiß sie hingegen nicht. Rabe möchte den Wert moralischer Kritik verteidigen in Zeiten, in denen dieselbe einen schlechten Ruf hat, wie man etwa an Einlassungen Florian Illies' oder Benjamin Stuckrad-Barres, sowie diverser Freiheitsapostel ablesen kann. Rabe findet laut Goldmann, dass wir uns Moral leisten können müssen, weil nur Moral uns gesellschaftlich voranbringen wird. Die eher essayistisch als wissenschaftlich argumentierende Streitschrift, die moralische Kritik vom Nimbus der spießigen Kleingeistigkeit befreien möchte, trifft teilweise durchaus wichtige Punkte, findet Goldmann, manchmal allerdings bleibt es bei der bloßen Empörung. Dass Rabe mit dieser Veröffentlichung Moralskeptiker umstimmen können wird, glaubt Goldmann jedenfalls eher nicht.