Illustriert von Pierre Le-Tan. Jean ist Anfang zwanzig und arbeitet in einem Musikverlag nahe den Champs-Élysées. Als ihn ein Kollege eines Tages einlädt, taucht er ein in die Welt der Pariser Bohème der Nachkriegszeit: ein kleiner Freundeskreis, der sich um das elegante Ehepaar Maddy und Paul Contour schart, das einst wohlhabend war und noch immer kostspielig lebt. Fünfzehn Jahre später erinnert sich Jean, nicht ohne Nostalgie, an dieses "Grüppchen" ungleicher Freunde, die der Zufall einst zusammenführte - und nach einem kurzen Sommer an der Côte d'Azur wieder trennte. "Memory Lane" erschien in Frankreich erstmals 1979 und noch nie auf Deutsch. Pierre Le-Tans Zeichnungen unterstreichen Patrick Modianos Prosa; die beiden Künstler verband eine lebenslange Freundschaft, die sich in ihren gemeinsamen Arbeiten widerspiegelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2024
Schon in diesem Miniaturroman von 1981 beweist der Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano die "Raffinesse", die man in seinen späteren Werken so schätzt, freut sich Rezensentin Ingeborg Ruthe. Das Werk kann man nun zum ersten Mal auf Deutsch lesen, so die Kritikerin, in einer "eleganten" Übersetzung von Elisabeth Edl und ergänzt von präzisen, teilweise fotorealistischen Illustrationen von Pierre Le-Tan. Es geht um Freundschaft, aber vor allem auch um deren Vergänglichkeit, so Ruthe. Der Ich-Erzähler kreist um eine vorübergehende Phase mit einem bestimmten "Grüppchen", stellt sich Fragen über die Vergangenheit und die Menschen, die ihm damals nah waren, daneben stehen vielfältige Reflexionen über existenzielle Themen, Tod, Liebe, Heimat. Modiano ist, und war es schon vor vierzig Jahren, ein Meister des "Beunruhigenden im anscheinend Unverfänglichen", schwärmt Ruthe, die das Buch offensichtlich gerne gelesen hat.
In Patrick Modianos neuem Buch atmet Rezensent Dirk Fuhrig die Atmosphäre der 60er und 70er Jahre: Es geht um einen Zirkel wohlhabender, meist junger Leute, an den sich der Protagonist rund zehn Jahre später zurückerinnert, ein Schauspieler ist darunter, aber auch Geschäftsleute, die mit Kolonialismus-Geschäften ihre Geld verdienen. Zwischen Eleganz und Ennui, Melancholie und Übermut bewegt sich diese Geschichte vom Ende des Bürgertums, hält Fuhrig fest, dazu tragen für ihn auch die gelungenen Illustrationen von Pierre Le-Tan bei und der der typisch schwermütige Modiano-Sound: Alles zusammen macht aus dem Band einen "Prototyp" für Modianos "süchtig machenden Stil", resümiert der Kritiker.
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