Patrick Modiano

Unterwegs nach Chevreuse

Roman
Cover: Unterwegs nach Chevreuse
Carl Hanser Verlag, München 2022
ISBN 9783446274075
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Der neue Roman des Literaturnobelpreisträgers: Patrick Modiano "vervollständigt seine traumwandlerische Suche nach der verlorenen Zeit". La CroixBei einem seiner Streifzüge durch das Paris der sechziger Jahre lernt Jean die undurchsichtige Camille kennen, die den Spitznamen "Totenkopf" trägt. Schnell freunden sie sich an, und sie führt ihn in ihre Kreise ein: eine Gruppe fragwürdiger Gestalten, die sich regelmäßig in einer Wohnung in Auteuil trifft. Als sie Jean eines Tages ins Chevreuse-Tal und anschließend in ein verschlafenes Dorf mitnehmen, dämmert ihm, dass nichts an dem Ausflug zufällig ist. Denn er kennt diesen Ort aus früheren Zeiten. Und er weiß, dass er ein wertvolles Geheimnis birgt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2022

Rezensent Roman Bucheli vergleicht den von Elisabeth Edl übersetzten neuen Roman von Patrick Modiano mit Georges Perecs Versuchen, der Vergangenheit habhaft zu werden. Modianos Spurensuche, die seinen Erzähler ins Jahr 1969 und zu "kuriosen sinistren" Begegnungen und Ereignissen und weiter in die Kindheit zurückführt, initiieren laut Bucheli bei aller Kürze einen "Erinnerungstaumel" und einen Sog, dem sich der Leser nicht entziehen kann. Dass Erinnerung "Stückwerk" ist und mit Skepsis zu betrachten, führt diese Lektüre dem Rezensenten eindringlich vor Augen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.07.2022

Rezensent Peter Körte erkennt viel Modiano-Typisches wieder in diesem Roman: Den aus dem Vorgängerroman bekannten Ich-Erzähler Jean Bosmans, der sich hier schreibend mit seiner Kindheit und Zeit als junger Erwachsener auseinandersetzt; viele der Schauplätze in Paris, die Modiano gerne beim Namen nennt; eine Frau mit ungewisser Vergangenheit, und vor allem Modianos besondere Fähigkeit, vom Erinnern zu erzählen: als ein wasserfarbenähnliches Ineinanderfließen von mehreren Zeitebenen, als sich verändernde Einfärbungen ein und derselben Fotografie, beschreibt der Kritiker bewundernd. Trotz dieser bekannten Elemente stimmt er dem Vorwurf, Modianos Romane seien alle gleich, nicht zu: Vielmehr staunt er über die Feinheit der "Disktinktionen", die bei genauem Hinsehen durchaus vorhanden seien. So findet er in diesem Roman erstmals eine "Art säkularer Wesensverwandlung", wenn der Erzähler Menschen, die ihm als Kind bedrohlich schienen, in literarische Figuren verwandelt und so die "Gefahr bannt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.07.2022

Rezensent Joseph Hanimann findet spannend, wie sich Patrick Modiano in seinem neuen Roman dem Erinnern widmet. Es geht um den jungen Autor Jean Bosmans, dem sich langsam Erinnerungen an seine Kindheit, die er im Pariser Viertel Auteuil und der südlichen Vorstadt Chevreuse verbrachte, ins Bewusstsein drängen. Anders als bei Proust geht es dabei nicht sehnsuchtsvoll, sondern eher unheimlich zu, so Hanimann. Spannend findet der Kritiker dabei, wie Modiano den Erinnerungsprozess aufzieht: Durch Bosmans' Notate erlange er einerseits Zugang zur Vergangenheit, andererseits werde sie durch den Schreibprozess wie von einem "Löschpapier" absorbiert, erklärt Hanimann. In dieser von der Modiano-Expertin Elisabeth Edl präzise übersetzten Ambivalenz sieht der Kritiker auch eine für Modiano überraschend "deutliche" poetologische Aussage: Literatur als Mittel, Vergangenheit sowohl auf- wie auch wieder abtauchen zu lassen, fasst er zusammen. Eine zuweilen fordernde, aber ergiebige Lektüre, vermittelt Hanimann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.07.2022

Rezensent Dirk Fuhrig sieht in Patrick Modianos Texten "toxische Erinnerungskrimis". So auch in diesem neuen Buch, in dem der Autor seine Figur verschiedene Phasen seines Lebens rekapitulieren lässt, die Nachkriegszeit in Paris, ein Verbrechen, einen heißen Sommer, wie Fuhrig erklärt. Vielleicht nicht Modianos stärkster Text, findet der Rezensent, aber von gewohnter stilistischer Brillanz und einer subtilen Spannung, die den Leser nicht loslässt.
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