Peter Flamm

Ich?

Roman
Cover: Ich?
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023
ISBN 9783103975635
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Senthuran Varatharajah. Hans, ein anerkannter Chirurg, kehrt von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs nach Hause zurück - oder vielmehr zurück in das, was als sein "Zuhause" gilt. Denn das Erlebte hat seine Gewissheiten zerschlagen, nur eine unauslöschliche Fremdheit ist zurückgeblieben. Seine Frau Grete und seine Freunde erkennen ihn, auch seine Arbeit erledigt er zuverlässig, nur sein Hund wittert Verdacht. Ist er durch den Krieg zu einem anderen geworden? Oder ist er eigentlich ein anderer, der sich in Hans' Leben eingeschlichen hat?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.01.2024

Sehr dankbar ist Kritiker Carsten Hueck, dass Sebastian Guggolz als "literarisches Trüffelschwein" für den S. Fischer-Verlag diesen schon hundert Jahre alten Roman von Peter Flamm wiederentdeckt hat: Es geht darin um den Kriegsheimkehrer Wilhelm Bettuch, der sich eine neue Identität zulegt und als Hans Stern zurückkommt. In einem "Monolog von verzehrender Intensität", erzählt er von den Schrecken des Krieges und von den Fragen, wer man nach einer solchen Erfahrung noch ist und sein kann. Erfahrungen, die typisch sind für Veteranen und für die der Autor als Psychiater einen besonderen Blick hatte, versichert Hueck und betont, der Roman müsse nicht vor Remarque, Céline oder Borchert zurückstehen, wenn es darum geht, die grauenvollen Erlebnisse des Krieges zu veranschaulichen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.12.2023

Kluge "spätexpressionistische Fantastik" liest Maximilian Mengeringhaus mit Peter Flamms Roman "Ich?". Das Buch über einen Kriegsheimkehrer wurde bei seiner Ersterscheinung 1926 begeistert von der Literaturkritik aufgenommen, so der Kritiker, und es ist immer noch "ein tolles Stück Literatur": Am letzten Tag des ersten Weltkriegs entscheidet sich Wilhelm, die Identität eines toten Soldaten zu übernehmen. Er nimmt ihm den Pass ab und lebt fortan als jener weiter, übernimmt dessen Beruf als Arzt, kehrt Heim zu dessen Frau. Irgendwann ist er sich selbst nicht mehr sicher, wer er eigentlich ist, Hans oder Wilhelm? Das Identitätsspiel wird durch das "Sinnchaos des parataktischen Satzbaus" unterstützt - das kann den Lesern den Textzugang etwas erschweren, meint der Kritiker, es trägt aber zur Vieldeutigkeit des Textes und zur raffinierten Verhandlung des "Doppelgängermotivs" bei. Mengeringhaus empfiehlt also dranzubleiben!