Aus dem Englischen von Thomas Bertram, Tobias Gabel und Jörn Pinnow. Die meiste Zeit war das deutschsprachige Zentrum Europas in zahllose Staaten zersplittert, von denen einige groß waren (wie Österreich oder Preußen) und andere nur aus ein paar Dörfern bestanden. So waren auch die militärischen Erfahrungen der verschiedenen Territorien absolut unterschiedlich. Peter H. Wilson fächert die gesamte Militärgeschichte des deutschsprachigen Raums in den letzten 5 Jahrhunderten auf und berücksichtigt dabei alles, von der Waffenentwicklung bis hin zur Strategie, von den wirtschaftlichen Grundlagen bis zu den gesellschaftlichen Folgen. Wenn es eine Konstante gibt, dann das Gefühl, von mächtigeren Feinden umgeben zu sein - Frankreich, Russland, der Türkei - weshalb ein schneller K.O.-Schlag notwendig sei, um nicht unterzugehen. In der Praxis bedeutete dies langwierige Kriege und - von 1939 bis 1945 - eine moralische Katastrophe. "Eisen und Blut" ist ein verblüffend ehrgeiziges, fesselndes Buch, das die deutsche Geschichte ganz neu erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2023
Als anregend, aber letztlich nicht überzeugend beschreibt Andreas Kilb Peter H. Wilsons Arbeit zur deutschen Militärgeschichte. Deren Grundthese ist, führt Kilb aus, dass eben diese Militärgeschichte nicht auf die in der Forschungsliteratur bisher dominierende These eines deutschen Sonderwegs, der direkt in den zweiten Weltkrieg führt, reduziert werden kann. Vielmehr sei die deutsche Geschichte seit dem 16. Jahrhundert - dem Ausgangspunkt der Untersuchung, die sich bis in die Zeit der Bundesrepublik fortsetzt - durch wechselvolle Bündnisse mit diversen anderen Ländern bestimmt. Auch von der Fixierung auf den Militarismus Preussens hält Wilson nicht viel, heißt es weiter; vielmehr will er andere Mächte wie insbesondere Habsburg ins Zentrum rücken. Durchweg trennt der Autor dabei die Militärgeschichte von einer Analyse der Gesellschaftsstruktur, was laut Kilb dazu führt, dass er vieles nicht sinnvoll erklären kann. Auch wird Preussen entgegen der Ausgangsthese auch in Wilsons Darstellung immer dominanter, meint Kilb. Besonders unglücklich ist der Rezensent darüber, dass der Autor den Charakter des Zweiten Weltkriegs als Camouflage für den Massenmord der Shoah nicht berücksichtigt. Ein interessanter Beitrag zur Militärgeschichte, aber kein kommender Klassiker, so das Fazit.
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