Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 rundet als letzter der drei sogenannten "Einigungskriege" den blutigen Weg zur Gründung des deutschen Nationalstaats ab. Bewusst von Otto von Bismarck provoziert, erklärt das Second Empire Napoleons III. Preußen den Krieg. Doch die preußische Militärmacht besiegt gemeinsam mit den Verbündeten - unter anderem aus Bayern, Württemberg und Baden - in großen Schlachten die Truppen des Kaiserreichs. Dieser Krieg wird von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt und in vielen Punkten verweist er schon auf den technisierten und nationalistisch aufgeladenen Horror des Ersten Weltkriegs. Im kollektiven historischen Gedächtnis der Deutschen ist der Krieg von 70/71 von der Erinnerung an die Weltkriege beinah vollständig überlagert worden. Dabei prägen bis heute Bismarckstatuen, Weißenburgstraßen, Sedanplätze, Denkmäler mit brüllenden Löwen, Lorbeerkränzen, "Eisernen Kreuzen" den öffentlichen Raum vieler deutscher Städte und Dörfer.
Das Buch zeichnet ein Panorama des Krieges aus Sicht der "kleinen Leute" und der "großen Lenker".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2019
Dass sich der deutsch-französische Krieg bis zur persönlichen Raserei steigern konnte, erfährt Rezensent Stephan Speicher aus dem Buch des Historikers Tobias Arand. Den "Volkskrieg" schildert ihm der Autor anhand von vornehmlich deutschen Einzelschicksalen aus allen Hierarchiestufen in Form eines "Lesebuchs". Briefe, Tagebücher etc., nutzt der Autor laut Speicher ausgiebig, vor allem aber schildert er den historischen Prozess und das Tun und Leiden der Akteure derart plastisch, dass Speicher mitunter schlucken muss. Erkenntnisgewinne verzeichnet er aber auch, wenn Arand ihn in die Lazarette führt, wo die Narkosemittel knapp werden. Ohne zu verurteilen, so Speicher, zeigt der Autor den Krieg von seiner schäbigsten Seite.
Peter Kapern gelangt mit dem Buch des Historikers Tobias Arand direkt auf die Schlachtfelder des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Multiperspektivisch, umfassend, mitunter fast zu detailreich, meint er, schreibt Arand politische Geschichte und Militärgeschichte in einem. Er lässt Beteiligte, Opfer, Könige und Kaiser, Pfarrer und Soldaten via Briefen und Artikeln berichten und zieht mit Schlachtenbummlern ins Gemetzel. Die deutsch-französische "Erbfeindschaft" wird dem Kritiker Kapern dabei gegenwärtig und auch das aktuelle Spiel mit Ressentiments auf beiden Seiten. Mehr Karten und Bildmaterial im Band hätten ihm gut gefallen.
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