Voyeurismus ist ein sehr altes Phänomen, das sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Er resultiert aus der elementaren Neugier eines jeden Menschen, seinem Erkenntnisdrang und seinem Wunsch, alles mit eigenen Augen zu sehen. Und zwar nicht nur dort, wo es lustvoll geschieht, sei es heimlich oder legitim, sondern auch dort, wo es moralisch verwerflich, gesetzlich verboten oder gar lebensgefährlich ist. Peter Springer führt den Leser von der Klärung der Begrifflichkeit über die Genese des voyeuristischen Blicks und seine Wurzeln bis hin zu aktuellen künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Thema. Er gibt Beispiele aus der aktuellen Kunst, beschreibt aber auch ausführlich die historischen Vorstufen. Behandelte Bildthemen sind z. B. Susanna im Bade, Diana und Aktaion oder Lady Godyva; relevante Künstler sind Francisco Goya, Edgar Degas, Gustav Klimt, Yves Klein, Edward Hopper, Marcel Duchamp u. a.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2008
Ulla Fölsing sagt viel Lobendes über diesen Band, obwohl Springer darin dem Begriff des Voyeurismus die Spitze zu nehmen scheint, weil er dem Phänomen alles Pathologische abzusprechen und überdies auch noch viele verschiedene Formen des Voyeurismus auszumachen scheint. Wie eine präzise Argumentation klingt das nicht. Aber es ist wohl nicht die begriffliche Klärung, die Fösling an Springer interessiert. Eher ist ihr an Springers offensichtlich eleganten und im doppelten Sinn einsichtsvollen Essays zu den Künstlern gelegen: Picasso, Degas, Menzel, Koons, Hirst - alle kommen sie vor. Und trotz Springers recht offenen Begriffs, gibt es doch zumindest in den Bildern viel Verbindendes, etwa dass der Blick gelenkt werde und dass Hindernisse wie Schlüssellöcher oder Jalousien mit inszeniert werden, um den Blick des Betrachters schuldig zu machen.
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