Muskismus
Aufstieg und Herrschaft eines Technoking

Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518001318
Kartoniert, 281 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer. Mit Paypal hat Elon Musk die Finanzbranche aufgemischt, mit Tesla den Markt für E-Autos revolutioniert, nach seiner Übernahme Twitter kurzerhand auf rechts gedreht. Im US-Wahlkampf 20204 schwang er sich zu einem der wichtigsten Einflüsterer Donald Trumps auf, anschließend machte er sich mit seiner Abteilung für Regierungseffizienz (DOGE) daran, den amerikanischen Staat zu zerlegen. Wie wurde aus dem genialischen Nerd eine kettensägenschwingende Ikone der globalen Rechten? Um die Welt zu begreifen, die Musk erschafft, müssen wir die Welten verstehen, die Musk erschaffen haben. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff zeichnen nach, wie sich im Silicon Valley um die Vorstellungen von Disruption und tollkühnen CEOs ein regelrechter Kult bildete, wie soziale Medien und Videospiele die Erzählung vom heldenhaften Einzelgänger etablierten und wie rassistische Memes und Verschwörungstheorien Eingang fanden in die Gedankenwelt des reichsten Menschen der Erde. Der Muskismus, so Slobodian und Tarnoff, ist ein frankensteinsches Monster des zeitgenössischen Kapitalismus.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2026
Elon Musk ist Vertreter eines neuen postliberalen Weltverständnisses, des Muskismus, den der Historiker Quinn Slobodian und Tech-Experte Ben Tarnoff hier untersuchen, wie Rezensent Robert Fieten festhält. Musk vereine aufregende Ideen und "eine an Wahnsinn grenzende Maßlosigkeit" und wolle auf Basis der etablierten Silicon-Valley-Routen technische Dominanz über Mensch und Gesellschaft des 21. Jahrhunderts erlangen. Die Autoren teilen das Buch in zwei Abschnitte, erklärt Fieten: Im ersten werden Episoden aus Musks Leben von seiner Jugend in Südafrika bis zu disruptiven Unternehmungen bei Paypal und Tesla beleuchtet. Der zweite, für den Kritiker passenderweise "Cyborg" betitelt, widmet man sich Musks Ideen von "Technosouveränität", die eine technische Überlegenheit zur Durchsetzung einer (rassistischen) westlichen Zivilisation propagiert, über die Musk selbst die Kontrolle haben will. Keine ganz einfache Lektüre, so Fieten, aber eine, die wir unbedingt ernst nehmen sollten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026
Rezensent Harald Staun bespricht zwei Bücher über die Herren des Silicon Valles: "Muskismus" von Quinn Slobodian und Ben Tarnoff widmet er kaum mehr als einen Satz, vielleicht, weil sie Elon Musk nicht nur als unreifen Aufschneider begreifen, sondern ihm auch "unterschätzte Qualitäten" zusprechen. Adrian Daubs sehr viel pessimistischeres Buch "Was das Valley herrschen nennt" findet Staun hingegen überzeugend und aufschlussreich. Er beschreibt, wie Daub der als Stanford-Professor die Machtübernahme von Tech-Milliardären wie Elon Musk und Mark Zuckerberg aus nächster Nähe beobachtet hat, deren kindliche, unreife Auftritte als Spiegel gesellschaftlicher Projektionen entlarvt, während sie ihre fragile Männlichkeit mit nihilistischer Herrschaft verknüpfen. Besonders gelungen findet der Rezensent Daubs These, dass diese "Creeps" durch ewige Adoleszenz und Unreife - wie bei unfertigen Technologien - echte Kontrolle simulieren, ohne sie zu verstehen, was sie gefährlich für Demokratie und Staat mache. Staun sieht mit Daub nur die Gefahren einer planlosen Disruption, Chancen kann er nicht erkennen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 14.03.2026
Beängstigendes über Elon Musk und dessen Denken entnimmt Rezensent Hanno Rehlinger diesem Buch. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff zeigen darin, dass Musk etwa hinsichtlich seiner Technogläubigkeit ein Produkt eben jener bürgerlichen Welt ist, die er nun zu zerstören sich anschickt. Der erste Teil widmet sich Musks Aufstieg zum einflussreichen Konzernchef und zeigt auf, dass dieser von Anfang an durch staatliche Macht gestützt war - letztlich ist die Geschichte von Musk eine der neoliberalen Selbstabschaffung des Staates. Im zweiten Teil geht es um die Idee des Cyborgs, jener Menschmaschine, von der Musk schon seit Kindheit an träumt, wie wir lesen. Musks Transfeindlichkeit, so die These die Autoren, die Rehlinger durchaus "originell" findet, stehe in einem paradoxen Zusammenhang mit diesem Traum: Musk fürchtet, dass die Grenze zwischen Natürlichem und Artifiziellen durchlässig sein könnte und so seine Herrschaft untergraben könne. Insgesamt warnen Slobodian und Tarnoff davor, dass der Muskismus in Zukunft neben der Souveränität des Staates auch die des Individuums untergraben könnte. Schaudernd schließt sich Rehlinger dieser Warnung an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2026
Mit einer nicht unwichtigen Einschränkung ist Rezensent Christoph David Piorkowski angetan von dem, was er hier liest. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff setzen sich mit Elon Musk auseinander, den sie als eine intellektuelle Schlüsselfigur der neurechten Bewegung beschreiben. Keineswegs ist Musk laut Slobodian ein klassischer libertärer Staatsverächter, vielmehr strebt er die Verschmelzung mit dem Staat an, indem er spezielle Dienstleistungen anbietet, die Staaten Souveränität garantieren. Musks "rassistische Reinheitstheorien" spielen dabei eine Rolle, fährt der Kritiker fort: Musks "antihumanistischen Festungsfuturismus" führen die Autoren dabei auf Musks Kindheit im Südafrika der Apartheid-Zeit zurück. All das ist gut recherchiert - aber warum versuchen Slobodian und Tarnoff zwanghaft und ohne schlüssige Begründung, Musk außerdem als einen Komplizen und Geistesverwandten Israels darzustellen? Da geht es ihnen wohl doch nur darum, die Erwartungen ihrer linken Zielgruppe zu bedienen, vermutet ein ansonsten dem Buch zugetaner Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.02.2026
Ein lesenswertes Buch über Elon Musk haben Quinn Slobodian und Ben Tarnoff laut Rezensent Constantin Hühn geschrieben - wobei die Autoren ihren Anspruch, aus dem Spezialfall Musk allgemeinere Ideen zu Herrschaft im 21. Jahrhundert ableiten zu wollen, doch nicht ganz gerecht werden. Die Autoren zeichnen Musks Lebensweg nach, von den jungen Jahren in Südafrika bis ins engste Beraterteam Trumps - in dem er allerdings inzwischen nicht mehr vertreten ist. Slobodian und Tarnoff sind der Ansicht, dass Musks Denken und Handeln paradigmatisch ist für eine neue Elite, die zwar dem Fortschritt verpflichtet ist, aber dessen Früchte nur Auserwählten zugänglich machen will. Außerdem ist Musk gerade kein Libertärer, sondern einer, der sich staatliche Strukturen zunutze macht, gar eins mit ihnen werden möchte, liest der Kritiker. So weit so gut, aber ist damit schon etwas über den "Muskismus" des Titels gesagt? Leider gelingt es den Autoren, kritisiert Hühn, kaum, zu zeigen, was an Musk nun individuell und was verallgemeinerbar ist. Dennoch ist das Buch wertvoll, heißt es am Ende, schließlich sind wir den Mann, von dem es handelt, noch lange nicht los.