Die Alarmierten
Was Verschwörungstheorien anrichten

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518029923
Kartoniert, 247 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Spätestens seit der Coronapandemie sind Verschwörungstheorien ein Signum unserer Zeit. Je komplexer unsere Welt wird, desto mehr Menschen scheinen für ihre erklärenden Sinnangebote empfänglich. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, hat ein ganzes soziales Netzwerk in eine Schleuder für konspirationistische Erzählungen verwandelt. Donald Trump, der mächtigste Mensch der Welt, amtiert als conspiracy theorist in chief im Weißen Haus. Michael Butter präsentiert die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschung. So groß die Gefahr auch ist: Eine freie und demokratische Gesellschaft darf sich nicht von der Angst vor Verschwörungstheorien beherrschen lassen und in Alarmismus verfallen. Wie Populismus sind auch sie eine Reaktion auf eine empfundene oder befürchtete Exklusion. Wer sie bekämpfen will, sollte andere nicht einfach als Schwurbler oder Leichtgläubige hinstellen. Vielmehr gilt es, die gesellschaftlichen Ursachen zu bekämpfen. Inklusion und Teilhabe, so Butter, stellen den wirksamsten Schutz gegen Hetze und Unwahrheiten dar.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Wirklich erhellend findet Rezensent Jonas Wagner dieses Buch des Amerikanisten Michael Butter, der damit etwas Struktur in das Nachdenken über Verschwörungstheorien bringe. Zum einen unterscheide Butter einleuchtend zwischen Verschwörungstheorien, die mit einer umfassenden Weltanschauung einhergehen, und denen, die sich nur auf einzelne Ereignisse beziehen. Letztere hält er für harmlos, erstere erscheinen ihm eine Gefahr für Gesellschaft und Demokratie. Auch dass Butter betone, dass in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse drohten, gefällt dem Rezensenten, der leider nicht verrät, wie Butter dies begründet. Spannend, tiefgründig und konkret findet Rezensent Wagner diesen Band, über dessen kleinere Schwächen er gern hinwegsieht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 24.11.2025
Für die Rezensentin Alexandra Wach besteht der große Gewinn von Michael Butters Buch über Verschwörungserzählungen darin, wie unaufgeregt und kenntnisreich der Literaturwissenschaftler seine Ursachenforschung betreibt. So lernt Wach beispielsweise, dass auch die übersteigerte Angst vor Verschwörungstheorien Symptom jener Ängste sein kann, die auch die Theorien selbst befeuern. Butter klärt in ziemlich wissenschaftlichem Duktus auf, wann die Erzählungen gefährlich werden, nämlich wenn sie sich mit politischen Forderungen verbinden, so die Kritikerin. Dass aber auch in der Abwehr eine manchmal unkritische Haltung vorherrscht, lässt Butter in dieser für Wach aufklärenden und gut argumentierten Schrift nicht unerwähnt.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 01.11.2025
Rezensent Deniz Yücel kann einiges anfangen mit Michael Butters Buch. Der Literaturwissenschaftler Butter argumentiert darin Yücel zufolge, dass Verschwörungstheorien weniger gefährlich sind, als oft in der Öffentlichkeit dargestellt, da sie im Allgemeinen nur diejenigen erreichen, die ohnehin schon radikalisiert sind. Gelegentlich wird die Warnung vor Verschwörungstheorien gar zur Ablenkung von eigenen Fehlern missbraucht, wie überhaupt die Kritiker der Verschwörungstheoretiker gelegentlich selbst fast verschwörungstheoretisch argumentieren, wenn sie überall finstere Mächte wirken sehen, liest der Kritiker hier. Gleichsetzen, stellt Yücel klar, will Butter die beiden Seiten zwar nicht, dennoch liefere er mit solchen Parallelisierungen wichtigen Stoff zum Nachdenken.