Als der zehnjährige Rafael Seligmann aus Israel nach München zieht, ist er plötzlich Analphabet. Deutsch ist seine Muttersprache, aber er kann sie zunächst weder lesen noch schreiben. Doch kommt er nie auf die Idee, seine jüdische Identität zu verleugnen auch nicht, als er feststellt, dass die israelische Militärgesellschaft nicht die seine ist. Mit wachsender Bindung an die deutsche Sprache und Kultur findet er seine Heimat in der Mehrheitsgesellschaft, nutzt aber die Sonderstellung, um seine Beobachtungsgabe zu schärfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2011
Helge Jani ist sehr beeindruckt von Rafael Seligmanns deutsch-jüdischem Lebensbericht. Den Autor weiß er kaum einzuordnen, so vielfältig erscheinen ihm Seligmanns Interessen und Fähigkeiten. Dass es schließlich doch nur eine einzige Biografie geworden ist, scheint ihn nachgerade zu erstaunen. Besonders fasziniert hat ihn Seligmanns Offenheit, seine Lust am Neuen und am intellektuellen Wagnis, die sich für ihn auch in diesem "luziden" Text niederschlagen, indem der Autor auch eigene Eitelkeiten und Rückschläge nicht verschweigt, sondern mit seiner leisen Ironie für den Leser dokumentiert.
Hier schreibt der Journalist Rafael Seligmann über den Menschen Rafael Seligmann, konstatiert Jan Scheper nach der Lektüre der Autobiografie "Deutschland wird dir gefallen". Der Titel sei angelehnt an den Trost des Vaters für den neunjährigen Rafael, als er und seine Frau - nach dem Holocaust aus Deutschland nach Palästina geflohen - wieder zurück nach München gehen wollen. Seligmann macht dort erst seinen Realabschluss, dann das Abitur, studiert, promoviert und wird zu einem erfolgreichen Journalisten und Israel-Experten. Seligmann resümiere sein wechselvolles Leben, wenn auch nicht sonderlich literarisch, wie der Rezensent meint, "menschlich packend", und zeige sich am Ende sehr versöhnt mit sich selbst.
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