Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001
Claus Heinrich Meyer bespricht Rainer Barzels Erinnerungen, die der nun 78-jährige vorlegt. Keiner von Kohls Gnaden sei er gewesen, aber lebenslanger Freund von Helmut Schmid. Der "machtbewusste Zweite", der niemals richtig populär gewesen sei, aber bis 1987 drei Jahrzehnte die Bonner Politik repräsentierte und mitgestaltete, habe Zeit seines Lebens viel publiziert. Doch für die Herausgabe dieser Erinnerungen hätte der Rezensent dem Autor gern einen "lieben Lektor" spendiert. Sie seien manchmal detailversessen, manchmal unordentlich; Privates füge sich an politische Anekdoten: "Probleme für Leser", prophezeit Meyer und warnt außerdem: Die "spannenden Momente" behalte Barzel lieber für sich.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 04.10.2001
Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt bezieht Stellung für den Mann, der 1982 das konstruktive Misstrauensvotum gegen ihn begründete, das zu Schmidts Abwahl als Kanzler führte. Es geht um den CDU-Politiker, einstigen Fraktionsvorsitzenden und Bundestagspräsidenten Rainer Barzel. Von dessen Buch ist Schmidt erstaunlicherweise hellauf begeistert. Er wird in seiner Besprechung nicht müde, die, wie er findet, großartigen Leistungen Barzels zu würdigen. Er schätzt vor an diesen Erinnerungen vor allem, dass Barzel immun sei gegen Selbsterhöhung, Eitelkeit und Geltungsdrang. Besonders lesenswert findet Schmidt die knappen Kapitel über die 68er und die Grünen. Diese seien zwar subjektiv gefärbt, aber trotzdem wahrhaftig. Und schließlich, freut sich Schmidt, seien die einst rüpelhaften und teils gewalttätigen Grünen, Trittin (mit Einschränkungen), Fischer und der heutige SPD-Mann Schily endlich erwachsen geworden. Schmidt vermutet zwar, dass nicht jeder Leser sich so sehr wie er mit Barzel identifizieren kann, ist sich aber sicher, dass dessen Erinnerungen für jeden zu einem besseren Verständnis der Bonner Politik beitragen werden.
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