Mit 108 Abbildungen. In den Jahren 1909/1910 errichtete die Berliner Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation (Agfa) in Wolfen eine Filmfabrik, die bereits ein Jahrzehnt später zur größten europäischen Fabrikationsstätte von kinematografischen Filmen aufstieg. Hier wurden die erste vollsynthetische Faser der Welt produziert und ein universelles Farbfilmverfahren erfunden, das sich weltweit durchsetzte. Nach 1945 entwickelte sich um die Agfa-Warenzeichen ein deutsch-deutscher Wirtschaftskrimi, der erst 1964 mit dem Übergang zum Warenzeichen Orwo endete. Nach der deutschen Einheit erfüllte sich der Traum von der Rückkehr der Agfa an den Traditionsstandort nicht. Die digitale Revolution und die Globalisierung führten zum Aus für die konventionelle Fotografie und damit zum Ende der Farbfilmproduktion in Wolfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2010
Durch Berge von Akten haben sich der Wirtschaftshistoriker Rainer Karlsch und der Kulturwissenschaftler Paul Werner Wagner gekämpft, um schließlich diese interessante Industriegeschichte vorzulegen, freut sich Rezensent Hans-Jörg Rother. In "Die Agfa-Orwo-Story" erzähle das Autorenduo die Geschichte der ostdeutschen Filmfabrik, die in ihren besten Zeiten getreu dem Motto "Eine Fabrik ist wie eine große Familie" über Werksiedlungen mit medizinischen Einrichtungen und sogar einem Theater verfügte. Besonders "spannend" findet Rother vor allem die zeitgeschichtlichen Passagen, wenn die Autoren beispielsweise von den Kämpfen der KPD- und der NSDAP-Betriebsgruppe in den dreißiger Jahren berichten. Unter dem kommunistischen Regime setzte schließlich der Niedergang der Produktionsstätte in Wolfen ein, die heute nur noch wissenschaftliche Nutzer beliefere.
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