Regina Scheer spannt in ihrem Debütroman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.
Schade, schade, meint Elmar Krekeler, dass die Autorin ihren Dorfroman aus zu vielen gleichlautenden Stimmen zusammensetzt. Dass Dorfgeschichte mehr ist als ein Haufen Einzelschicksale, dass sich in einem typischen mecklenburgischen Flecken Lebenslinien treffen und zu etwas Größerem, Allgemeingültigen zusammenschließen können, vermag ihm Regina Scheer nämlich durchaus plausibel zu machen, indem sie hinhört, auf Geschichten, Schicksale und generationsübergreifende Zusammenhänge. Das leicht Mechanische an dem Wechselgesang der Stimmen im Buch, der Zwangsarbeiterin, des Kommunisten, des Opportunisten usw. kann Krekeler verzeihen, das Überbordende weniger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2014
Unter der Vielzahl von sogenannten "Wenderomanen" ist Regina Scheers Debütroman "Machandel" eine herausragende Erscheinung, lobt Rezensent Andreas Platthaus. Tief beeindruckt taucht der Kritiker in dieses dicht gewebte Meisterwerk, das im fiktiven ostdeutschen Dorf Machandel spielt, autobiografische, poetische, literatur- und zeitgeschichtliche Fäden zusammenzieht und auf außergewöhnliche den Zweiten Weltkrieg, die DDR und die Nachwehen in der Nachwende-Zeit verbindet. So lauscht der Kritiker hier einem "Stimmenkonzert", in dem er nicht nur die Geschichte der Protagonistin Clara, sondern auch die ihres Vaters, einem ehemaligen SED-Funktionär, die der russischen Zwangsarbeiterin Natalja und vieler anderer vernimmt. Nicht zuletzt bewundert Platthaus das Einfühlungsvermögen der Autorin, die hier bewegend von den Schrecken der letzten Jahrzehnte erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.08.2014
Rezensentin Sabine Vogel ist der Autorin dankbar dafür, in ihrem Roman das Leben einiger weniger Flüchtlinge eines großen Krieges sowie das Leben ihrer Nachkommen so farbig, stellvertretend für all die anderen Flüchtlinge auf der Welt erzählt zu haben. Das Wie der Erzählung von Flucht und Vertreibung und Neubeginn hat Vogel dabei besonders beeindruckt. Auch wenn es um die eigene Generation geht, der Nachkriegs- und Aufbruchgeneration in der DDR, stellt Vogel respektvoll fest, bleibt die Historikerin Regina Scheer in ihrer Erzählweise präzis und zurückhaltend. Für Vogel werden die Charaktere und ihre unglaublichen Geschichten nicht zuletzt dadurch glaubwürdig.
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