Klappentext

Moskau, 1936. Die deutsche Kommunistin Charlotte ist der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gerade noch entkommen. Im Spätsommer bricht sie mit ihrem Mann und der jungen Britin Jill auf zu einer mehrwöchigen Reise durch die neue Heimat Sowjetunion. Die Hitze ist überwältigend, Stalins Strände sind schmal und steinig und die Reisenden bald beherrscht von einer Spannung, die beinahe körperlich greifbar wird. Es verbindet sie mehr, als sich auf den ersten Blick erschließt: Sie sind Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Komintern, wo Kommunisten aller Länder beschäftigt sind. Umso schwerer wiegt, dass unter den "Volksfeinden", denen gerade in Moskau der Prozess gemacht wird, einer ist, den Lotte besser kennt, als ihr lieb sein kann. "Metropol" folgt drei Menschen auf dem schmalen Grat zwischen Überzeugung und Wissen, Loyalität und Gehorsam, Verdächtigung und Verrat. Ungeheuerlich ist der politische Terror der 1930er Jahre, aber mehr noch: was Menschen zu glauben imstande sind. "Die wahrscheinlichen Details sind erfunden", schreibt Eugen Ruge, "die unwahrscheinlichsten aber sind wahr." Und die Frau mit dem Decknamen Lotte Germaine, die am Ende jenes Sommers im berühmten Hotel Metropol einem ungewissen Schicksal entgegensieht, war seine Großmutter.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.11.2019

Rezensent Wolfgang Schneider empfiehlt Eugen Ruges Roman über Stalins Terror als großartige Lektüre, die vor allem durch das gekonnte Zusammenspiel von Fakt und Fiktion überzeugt. Den Horror der Schauprozesse kann ihm der Autor anhand der Figuren, zu denen auch Ruges für die Komintern arbeitende und schließlich kaltgestellte Großeltern gehören, vermitteln, ebenso die Gedanken eines Schauprozess-Richters. Eine unprätenziöse, historisch durchaus verlässliche Erzählung, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.10.2019

Laut Alexander Cammann schafft Eugen Ruge mit seinem neuen Roman das schier Unmögliche: Auf dem abgegrasten Feld von Romanen über die deutsche Vergangenheit entdeckt Ruge noch einen blinden Fleck: Denn deutsche Geschichte spielte auch in Moskau, weiß der Kritiker, der diesen Roman in der Tradition von Arthur Koestlers "antiimperialistischem Klassiker" "Sonnenfinsternis" liest. Gebannt folgt der Kritiker Ruges emigrierten Großeltern durch ihre Moskauer Jahre, erlebt aus drei Perspektiven den stalinistischen Terror, bangt mit dem Großelternpaar 477 Tage im Hotel Metropol, wo die beiden Mitarbeiter des OMS wegen Verstößen gegen die Parteilinie einsitzen und trifft in "somnambulen" Nächten nicht nur Lion Feuchtwanger, der nebenan übernachtet, sondern erinnert sich mit Ruges Helden auch an die "kommunistische Kampfzeit" in der Weimarer Republik. Ruges greifbarer und lebendiger Beschreibung jener Jahre verzeiht Cammann auch gern das ein oder andere "Klischee" und den dicken Strich, mit dem der Autor gelegentlich über Nuancen und Subtilitäten hinwegpinselt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.10.2019

Rezensentin Cornelia Geißler wird mit Eugen Ruges Roman an den Stalinismus erinnert. Vergleiche zu Arthur Koestler und Anatoli Rybakow fallen ihr ein, wenn Ruge seinen Tatsachenroman über seine für die Komintern tätige Großmutter schreibt, historische Ereignisse und Figuren auftreten lässt und mit klaustrophobischer Dichte auf die finsteren politischen Vorgänge abhebt, auf stalinistische "Säuberungen", Schauprozesse und Verfolgung. Das angstvolle Erleben und Deuten der im Moskauer Hotel Metropol festsitzenden Großmutter schildert der Autor laut Geißler mit einer Mischung aus Naivität und scharfer Analyse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2019

Dieser Roman trägt nach, was Eugen Ruge in seinem preisgekrönten Mehrgenerationenroman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" aussparen musste, erklärt Rezensent Christoph Bartmann. Aus den Daten in der Kaderakte zu seiner Großmutter Charlotte, gemischt mit seiner Fantasie, hat Ruge ein fast schon "süffiges" Buch gemacht, vor allem weil er das Private so detailliert schildert, lobt der Kritiker. Das reale Moskauer Hotel Metropol mit den dorthin verfrachteten ehemaligen OMS-Mitarbeitern, zu denen auch Ruges Großeltern zählen, wird dabei zum Schauplatz für das Oszillieren des Paares "zwischen Lebenslust und Todesangst", denn vielleicht werden die beiden treu zu Stalin stehenden jeden Moment abgeholt - schließlich wurden sie denunziert und die Säuberungen machen schon lange nicht mehr vor den Treuen halt. Der Rezensent hätte sich gewünscht, etwas mehr über die Hintergründe zu erfahren, die die Kommunisten dazu bewogen haben, sich das Denken von einer Partei diktieren zu lassen, aber diesem Mysterium kommt auch Ruge hier nicht bei, so Bartmann.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2019

Als Stalin 1936/37 die Partei säubern ließ, saß Eugen Ruges Großmutter Charlotte mit ihrem Mann im Moskauer Hotel Metropol fest, damit das Innenministerium der UdSSR entscheiden konnte, ob sie Verräter seien oder nicht, weiß der Rezensent Andreas Fanizadeh. Ihm zeigt Ruges Roman über diese Zeit, wie der Kommunismus seinen letzten Rest humanistischer Ansprüche verlor und "die nackte Angst durch jede Ritze drang." Dabei ergründe der Autor aber nicht nur die Seele seiner parteitreuen Großmutter in dieser lebensbedrohlichen Situation, sondern auch die Gedanken Wassili Wassiljewitsch Ulrichs, der als Vorsitzender Richter des zweiten Moskauer Schauprozesses unzählige Todesurteile verhängte. Bestimmt hätten weder Charlotte und Ulrich noch Lion Feuchtwanger, der zeitweise im Zimmer neben Charlotte wohnte und von all dem Töten nichts mitbekommen haben will, sich träumen lassen, dass Ruge sich derart in ihr Verhältnis zur Partei gräbt, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2019

Rezensent Andreas Platthaus empfiehlt Eugen Ruges neuen autobiografischen Roman als Geschichtsbuch mit Bonus. Die Fortsetzung von Ruges Erfolg "In Zeiten des abnehmenden Lichts" konzentriert sich laut Platthaus auf die Figuren Charlotte und Wilhelm während der Jahre 1936-1938 und ihre Tätigkeit für die sowjetische Agentenorganisation OMS. Bestechend findet Platthaus nicht nur die Wahrhaftigkeit der penibel recherchierten Handlung, der Orte und Figuren, sondern auch die Psychologie letzterer. Ein episodisches Panorama des kommunistischen Exils, das auf den Rezensenten wie eine Droge wirkt.
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