Carl Schmitt (1888-1985) ist als Theoretiker des Ausnahmezustands heute wieder ein Autor der Stunde: Kein anderer Jurist des 20. Jahrhunderts analysierte die Erosionen und Transformationen liberaldemokratischer Verfassungen in präsidiale, autoritäre und diktatorische Regimes so scharfsinnig und wirkmächtig. Er war zwar ein gefährlicher Mineur der Weimarer Verfassung und "Kronjurist" des Nationalsozialismus, wirkte aber auch nach 1945 noch als brillanter Kopf und ingeniöser Anreger.
Die folgende Sammlung bündelt einige - meist stark überarbeitete - neuere Studien zum Werk, zur Wirkung und Aktualität auf der Grundlage des Nachlasses und der zahlreichen neueren Editionen. Sie erschließt die Entwicklungsgeschichte des Werkes, Schmitts ausgeprägte Selbstdeutungen sowie die intensiven Korrespondenzen und Auseinandersetzungen mit engen Weggefährten und Schülern: mit Ernst Rudolf Huber, Arnold Gehlen, Joachim Ritter, Reinhart Koselleck, Ernst-Wolfgang Böckenförde, Hans Blumenberg und anderen mehr. Die Sammlung endet mit drei Studien zur Aktualität Carl Schmitts in der "außergewöhnlichen Situation" (Kanzlerin Merkel) unserer Tage.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.06.2017
Rezensent Sebastian Huhnholz ist mit Reinhard Mehrings Biografie über den Staatsrechtler, Ideentheoretiker, späteren "Edelnazi" und geheimen Berater der jungen Bundesrepublik Carl Schmitt sehr zufrieden. Mehring, der bereits 2009 eine Biografie zu Schmitt veröffentlicht hat, bringt in dieser Sammlung von überarbeiteten, teilweise stark gekürzten Aufsätzen, Vorträgen und Gesprächen nicht nur Ordnung in die jüngeren Editionen und Monografien, sondern kommentiert auch Deutungsmoden über Schmitt, lobt der Kritiker. "Positionen", "Wechselwirkungen" und "Spiegelungen" Schmitts - etwa in Machiavelli oder Hamlet - kann der Autor in den ersten drei Teilen seines Buches klug und exakt vermitteln, fährt der Rezensent fort, der hier etwa interessiert liest, dass sich Schmitt nach 1945 nicht mehr für das Schicksal der deutschen Nation interessiert habe. Dass Mehring im letzten Kapitel, in dem die Aktualität Schmitts thematisiert wird, die Archivarbeit verlässt und "starke Wertungen" und "ausführliche Zeitkommentare" vornimmt, geht für Huhnholz in Ordnung. Allerdings hätte sich der Rezensent eine etwas detailliertere Auseinandersetzung mit dem inzwischen "global" gewordenen Trend zu Schmitt gewünscht.
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