Die juristischen Träger der NS-Diktatur wurden - entgegen der ursprünglichen alliierten Planung für ein anderes Deutschland - in die rechtsstaatlich-demokratische Ordnung der neu gegründeten Bundesrepublik weitgehend übernommen. Joachim Perels analysiert die Folgen dieser Hypothek anhand von zentralen Rechtsgebieten, vom Verfassungsrecht über das Arbeitsrecht bis hin zum Strafrecht, und zeigt, inwiefern die demokratische Rechtsordnung in strategisch wichtigen Bereichen ausgehölt wurde. Damit liefert er die Gegenthese zur verbreiteten Ansicht, das Grundgesetz sei die uneingeschränkte Basis des gesellschaftlichen und politischen Systems der Bundesrepublik gewesen. Die zweite Republik in der Ära Adenauer wird vielmehr als ein - die Elitenbegünstigender - halbierter Rechtsstaat kenntlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2000
Friedrich-Christian Schroeder weist zunächst darauf hin, dass es sich hier um eine Sammlung von zehn Aufsätzen aus den Jahren 1984 bis 1997 handelt, die aber trotz "mancher Überschneidungen eine sehr geschlossene Konzeption" ergeben. Bei Perels` Blick auf den Umgang der Bundesrepublik mit dem nationalsozialistischen Unrecht wird nach Schroeder deutlich, dass der Autor anders als viele Kollegen unmittelbar nach dem Krieg keine Verdrängung dieses Unrechts sieht. Vielmehr zeige er die frühen Aufarbeitungsversuche, etwa bei dem Nürnberger Juristenprozess oder bei den Aktivitäten der "amerikanischen Administration". Nach Perels, so der Rezensent, hat sich dies in den fünfziger Jahren geändert, etwa durch die Straffreiheitsgesetze von 1951 und 1954. Insgesamt sieht Schroeder in dieser Textsammlung (ein "düsteres Bild der Bundesrepublik") eine Kritik an denjenigen, die von einem "gelungenen Neubeginn" in der frühen Bundesrepublik sprechen.
Ein Buch mit einem interessanten Thema, das dennoch langweilt - für Rezensent Werner Johe ein Beleg dafür, wie man es nicht anfangen sollte. Der Politikwissenschaftler Perels vertritt eine Grundthese, die er nach Johe einleitend vorstellt, dass nämlich die alten Funktionseliten des nationalsozialistischen Staates sehr schnell in der Bundesrepublik wieder das Sagen hatten. Ist ja nicht verkehrt, meint Johe, sieht sich dann aber durch die Zusammenstellung der Aufsätze gelangweilt, die Perels These mehr oder weniger illustrieren, auch wenn sie für sich genommen mal interessante Abhandlungen darstellten: die Texte stammen aus den Jahren 1984 bis 1998. Nach Johe verstellt der politikwissenschaftliche Ansatz manchmal auch den Blick auf die politische Wirklichkeit. Wo Perels der verfassungsmäßig erlaubten Vergesellschaftung der Produktionsmittel hinterher trauere, ignoriere er schlicht, dass es dafür keinerlei Mehrheit im damaligen Bundestag gegeben hat.
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