Richard Weisberg

Rechtsgeschichten

Über Gerechtigkeit in der Literatur
Cover: Rechtsgeschichten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518296103
Taschenbuch, 291 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Walter Popp Mit einem Nachwort von Bernhard Schlink. Das Recht, der Anwalt oder der Richter nehmen in der schönen Literatur breiten Raum ein. Dennoch gibt es kaum Untersuchungen über das Verhältnis von Jurisprudenz und Literatur. Der in New York lehrende Rechtswissenschaftler Richard Weisberg ist einer der Pioniere der "Poethik", die sich mit diesem Beziehungsgeflecht befasst. Der Band versammelt eine Auswahl seiner Arbeiten, die sich mit dem Recht bei Camus, Dostojewski, Flaubert und anderen auseinandersetzen. Ein Nachwort von Bernhard Schlink beschließt den Band.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2013

Lothar Müller freut sich sehr, dass dieses Standardwerk aus dem Jahr 1984 nun endlich auch hierzulande erschienen ist, auch wenn der deutsche Titel "Rechtsgeschichten" Richard Weisbergs Original "The Failure of Word" nicht gerecht werde. Das Buch begründete die in den USA sehr einflussreiche Tradition der "Law and literature"-Studien, die nachzuzeichnen versucht, wie Recht und Gerechtigkeit ihren literarischen Niederschlag finden. Weisbergs Buch hatte, wie Müller sachkundig erklärt, Furore gemacht, weil er den Kapitän Vere in Herman Melvilles Roman "Bully Budd" erstmals nicht als positive Figur deutete, die an dem ihr auferlegten Konflikt zwischen Disziplin und Sympathie zerbricht, sondern als einen Mann, der aus eigenem Ehrgeiz das Recht für seine Zwecke nutzt. Bemerkenswert für Müller, dass die Philologie so viel zum Denken über die Unterminierung des Rechts beitragen kann, auch wenn er weiß, dass scharfschießende Bürgerwehr-Leute oder Militärtribunale bei dem Thema ganz andere Pflöcke einschlagen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Nicht ohne Interesse, aber deutlich ohne Begeisterung liest der Rechtshistoriker Michael Stolleis Richard Weisbergs Ausführungen über Juristen in der Literatur. Weisberg gehörte der "Law & Literature"-Bewegung an, informiert Stolleis, das Buch ist bereits von 1984. Weisberg entwickelt nach Stolleis die These, dass sich das Unheil des 20. Jahrhunderts bereits in der Literatur des 19. Jahrhunderts ankündige. An einem bestimmten Typus des Juristen mache er das fest, etwa am Kapitän Vere in Melvilles "Billy Budd", der das Recht beugt, um zu einem bestimmten Urteil zu gelangen. Besonders interessiere Weisberg aber, wie das so gesittete Europa im 20. Jahrhundert zur Hölle haben werden können und welche Rolle Juristen dabei spielen. Aber offenbar kann Stolleis mit Weisbergs Ausführungen zu diesen Themen nicht all zu viel anfangen: Er findet Weisbergs Wunsch nach einer "Rehabilitierung sinnhafter Sprache" blauäugig und will auch die von Weisberg erstrebte Objektivität als mit allen Wassern gewaschener Europäer nur in Gänsefüßchen anfassen.

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