Die europäischen Integration warum ihre Stärken auch ihre Schwächen bedingen Man kann die starken Ambivalenzen der europäischen Integration nur managen, aber nicht beseitigen. Denn was die Europäisierung voranbringt, das führt zu Konflikten mit dem nationalen Selbstbehauptungswillen vieler Einzelstaaten, während umgekehrt dieser Willen einer machtpolitischen Bündelung der Union im Wege steht. In dieser Situation zwingt das weltpolitische Stühlerücken in der Gegenwart Europa verstärkt dazu, sich auf die veränderte Lage einzustellen. Ob und wie es der Europäischen Union gelingen kann, dem Einbruch atavistischer politischer Gewalt zu begegnen und den Aufstieg populistischer Kräfte in den Mitgliedsländern einzudämmen, auch davon handelt diese scharfsinnige Bestandsaufnahme der europäischen Integration. Dieses Buch führt systematisch durch die Funktionsbereiche der EU und untersucht anhand von Beispielen auf den drei Ebenen Recht, Politik und Kultur die Verlaufsmuster ihrer Entscheidungsprozesse. Es zeigt, dass die innere Spannung der europäischen Integration sich in eine Mechanik übersetzt, die problemübergreifende Regelmäßigkeiten aufweist: Einer begrenzten Überführung von Macht auf die Unionsebene folgt deren Entgrenzung. Dies wiederum zieht starke Ambivalenzen der Staaten und ihrer Bürger gegenüber der Integration nach sich. Eine scharfsinnige Analyse der Mechanik der europäischen Integration Einzelstaaten versus Union was die EU von anderen globalen Playern unterscheidet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2025
Eine kluge Perspektive auf das Verhältnis der Europäischen Union zu ihren Mitgliedstaaten entwirft dieses Buch laut Rezensent Thomas Gutschker. Ulrich Haltern unternimmt nämlich nicht den Versuch, staatliche Souveränität und Europäische Verwaltungsmacht gegeneinander auszuspielen, vielmehr zeichnet er nach, wie beides ineinander greift und zwar im Allgemeinen in drei Schritten: Zunächst übertragen Staaten Kompetenzen an Brüssel, da sie dadurch Rationalisierungsgewinne erwarten, dann gewinnt die gesamteuropäische Verwaltung eine Eigendynamik, was im dritten Schritt zu Problemen und Anpassungen in den Mitgliedsstaaten führt. Gutschker erläutert Halterns Argumentation insbesondere am Beispiel der Mehrheitsentscheidung auf europäischer Ebene, die sich erst nach und nach als Norm durchsetzte, sowie mit Blick auf ein zunächst problematisches Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das 2020 zunächst europäische Kompetenzen zu beschneiden schien, tatsächlich aber dazu führte, dass die europäische Integration gestärkt wurde. Ein wichtiges Thema wird hier, so der Tenor der Besprechung, klug und umsichtig bearbeitet.
Als "Buch der Stunde" empfiehlt uns Rezensent Moritz Küpper dieses Buch des Münchner Europarechtlers und Rechtsphilosophen Ulrich Haltern. Sehr zitatreich bespricht der Kritiker das Werk, das einen rechtlichen Blick auf die Europäische Union wirft und dabei verdeutlicht, wie sich Europarecht und staatliches Recht mitunter blockieren. Dass der Autor dabei viel juristischen Fachjargon bemüht, nimmt Küpper gern auf sich. Entnimmt er dem informativen Buch doch nicht nur viel Wissen über die Entwicklung der EU, sondern auch den nicht uninteressanten Gedanken, dass gerade das Träge, Undurchschaubare für die Stabilität der EU sorgt.
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