Robert Felfe

Naturgeschichte als kunstvolle Synthese

Physikotheologie und Bildpraxis bei Johann Jakob Scheuchzer
Cover: Naturgeschichte als kunstvolle Synthese
Akademie Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783050037172
Gebunden, 241 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Die Geschichte der Naturwissenschaften gewinnt ihre Konturen bis heute maßgeblich aus den Werken der großen Neuerer. Dabei geraten andere Akteure oft in Vergessenheit. So ist auch der Züricher Arzt und Polyhistor Johann Jakob Scheuchzer (1672-1773) erst in den letzten Jahren ins Blickfeld der internationalen Forschung getreten. Dabei war Scheuchzer ein äußerst aktiver Bürger der europäischen "republique des lettres". Er war Mitglied mehrerer Akademien und korrespondierte mit Isaac Newton, Hans Sloane, Gottfried Wilhelm Leibniz und Bernard de Fontenelle. Sein internationales Renomme gründete vor allem auf zahlreichen Publikationen über die Alpen, gesteins- und fossilienkundlichen Abhandlungen und auf dem Ruf seiner Sammlungen. Anhand publizierter Grafiken sowie einer Reihe bislang unveröffentlichter Bild- und Textquellen geht das Buch erstmals konsequent der Rolle des Bildes als Medium und Darstellungsform in Scheuchzers Oeuvre nach. Entstehung und Funktion der Bilder führen dabei ins Zentrum gerade jener wissenschaftsgeschichtlichen und ästhetischen Probleme, die seinem Werk, nicht erst für den heutigen Betrachter, scheinbar anachronistische Züge verliehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2004

Robert Felfe gibt dem Mediziner und Polyhistor Johann Jakob Scheuchzer, der in der Forschung bisher als optimistischer Wegbereiter der Aufklärung galt, seine "dunkle Seite" zurück, würdigt Florian Welle das Buch des Kunsthistorikers. Felfe analysiere die Kupferstiche, die Scheuchzers in den Jahren 1731 bis 1735 verlegte Bibel illustrieren, verfolge ihre Traditionslinien und schlüsselt so seine "eklektische Bildpraxis" auf, berichtet der Rezensent. Dabei komme das "vielschichtige Bild" eines Mannes zum Vorschein, der sein physikotheologisches Programm, das aus der - naturwissenschaftlich zu belegenden - Vollkommenheit der Schöpfung auf die Existenz Gottes schließt, keineswegs so "optimistisch" und fern jeden Zweifels verfolgte, wie es seine Bibelkommentare nahe legen, meint Welle. Die Klarheit und Deutlichkeit dieser Kommentare, schließt der Rezensent, geben ihnen vor dem Hintergrund von Felfes Analysen eher den "Charakter von Beschwörungsformeln".

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