Dass Rudolf Berliner für das Verständnis des Bildes und seines Gebrauchs in der europäischen Kunst der letzten tausend Jahre Bahnbrechendes geleistet hat, ist den wenigsten bewusst, weil seine Studien recht heterogen anmuten und verstreut publiziert wurden. Eine zentrale Auswahl von vierzehn Aufsätzen wird hier erstmals nachgedruckt - nicht zuletzt um dem verfolgten und verdrängten jüdischen Gelehrten seinen angemessenen Platz in der Geschichte des Faches wiederzugeben. Rudolf Berliner bleibt stets nah am Objekt, seinem Thema und seiner Form, seiner Aussage und seinem Gebrauch, und hat doch immer auch das Prinzipielle und allgemein Relevante im Sinn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2003
Gleich in der Überschrift der Besprechung von Andreas Beyer heißt es, mit diesem Buch sei dem Kunsthistoriker Rudolf Berliner ein Denkmal gesetzt worden. Und dies Verdienst des Herausgebers ist, wie wir dann erfahren, aus Beyers Sicht nur um so größer als Berliner, dieser "Neuerer seines Faches", bislang keinem größeren Kreis in Erinnerung geblieben sei, weil er seine "selbstbewusst-kritische Haltung" zu tradierten Stilbegriffen und Entwicklungsgeschichten in Büchern entwickelte, die mit Titeln wie "Zur kunstgeschichtlichen Bedeutung einiger Kleisterfarbenpapiere" zunächst auf keine besondere Beachtung in seinem Fach hoffen konnten. Probleme hat Andreas Beyer nur mit den Bemerkungen des Herausgebers. "Merkwürdig missmutig" nennt er sie. Außerdem seien sie von "heftigen Ressentiments" gegenüber "vermeintlich verwerflichen Tendenzen der aktuellen Kunstwissenschaft" durchdrungen. Anders als Suckale meint dann Beyer auch, dass dessen Verdienst nicht darin liege, mit der Neuherausgabe von Berliners Texten ein "Antidot" zu ebendiesen Tendenzen geliefert zu haben. Vielmehr zeige sich so, dass die Bildwissenschaft heute, mit gehöriger Verspätung, Berliners "souveränem Zugriff" folge.
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