Roger Behrens

Adorno-ABC

Cover: Adorno-ABC
Reclam Verlag, Leipzig 2003
ISBN 9783379200646
Kartoniert, 248 Seiten, 11,90 EUR

Klappentext

Das Adorno-ABC: Nachschlagewerk, Lektürehilfe, Geschichtenfundus nicht nur für den Adorno-Eleven. "Dialektik" konsequent angewandt auf Stichworte wie "Autofriedhof", "Beatles", "Froschkönig", "Zwutsch". Auch dem Kenner zeigt Behrens überraschende Zusammenhänge in Leben und Werk Adornos auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2003

Die Rezeptionsgeschichte hat, erklärt Jürgen Kaube Adorno auch zu einem Jugendschriftsteller gemacht; und seine "Entschiedenheit in den Urteilen" oder seine "Befunde über 'das Ganze'" bedienten ja auch in der Tat, eine "Erwartung, die zum Selbsterleben Jugendlicher" passe. Roger Behrens Buch hält Kaube nun allerdings für ein "geradezu drastisches Dokument" hierfür. So habe der Autor zwar weder, bemerkt Kaube sarkastisch, sein Sprachgefühl an Adorno geschult noch seine Bildung, weshalb das Buch "von sachlichen Fehlern strotzt", sich dafür durch die Adorno-Lektüre aber "mit äußerst weltablehnenden Gefühlen versorgt". Das einzige Interesse, das sich diesem "als Lebenshilfe aufgemachten Buch" abgewinnen lasse, ist darum für den Rezensenten das "an einem besonders farbenreichen Dokument der großen Konfusion, in die seit 1968 manche jungen Leute dadurch gestürzt worden sind, dass ihr großer Stichwortgeber die Musik, die sie selber gerne hören, für eine Ausgeburt jener Hölle hielt, als die sie, angeregt durch ihn, die spätkapitalistische Welt glauben bezeichnen zu sollen." Behrens Interesse gehe darum auch gar nicht auf "Adornos 'Sache'", kritisiert Kaube, sondern nur auf die pubertäre des Autors, "im Philosophen ein Rollenmodell zu konsumieren, an dem dann, damit es passt, nach Maßgabe der eigenen Geschmackspräferenzen noch ein bisschen mit klebrigen Fingern herumretouchiert werden muss."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2003

Irgendwie erinnert der Begriff "ABC" unweigerlich an "Resultate", meint Rezensent Sascha Michel. Wie allerdings die Vorstellung von Denkresultaten, von "lexikalischen Häppchen" mit dem adornitischen Denken in Einklang gebracht werden kann, erscheint ihm zweifelhaft. Doch letztlich, räumt Michel ein, heißt es, Adorno beipflichten, auch den Schöpfer der Kritischen Theorie selbst zum "Ding" der Kulturindustrie zu machen. Zudem wolle Roger Behrens mit seinem ABC nicht einfach ein "halbgebildetes Informiertsein" in Sachen Adorno schaffen, sondern zu der von Adorno hochgehaltenen "Anstrengung des Urteiles" anregen, wie auch das im Buch verwendete Prinzip des Querverweises zeigt. Hier, so der Rezensent, fungiere der Querverweis als "Anleitung zum Querdenken". Im Sinne Adornos werden nicht nur die "großen" philosophischen Themen angegangen, sondern auch "theoretische Randgebiete", so dass auch Einträge wie "Autofriedhof" oder "Mückenkuchen" Einzug gefunden haben. Ganz zufrieden ist der Rezensent allerdings nicht: zu "brav" die Rekonstruktion der adornitischen Begriffe, zu substanzlos die "Kontext-Artikel" über Nietzsche und Wittgenstein, zu Adorno-hörig, sprich "immanent", die Kritik an Adorno selbst. Allein im Bereich der Popkultur gelinge es Behrens starke Akzente zu setzen. Adorno werde hier weder "entradikalisiert", noch "ästhetisiert", sondern geradezu "wiederbelebt", wie zum Beispiel im Artikel "Bescheidwissen".

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