Der Kalte Krieg war auch ein Krieg der Geheimdienste. Erstmals zeigen bislang völlig unbekannte Akten des Bundesnachrichtendienstes und der Staatssicherheit, welche Hintergründe, Ziele und vor allem Folgen der erste von Ost-Berlin geführte "konzentrierte Schlag" gegen die Organisation Gehlen im Herbst 1953 hatte. Betroffen waren mehrere hundert verhaftete vermeintliche Spione in der DDR, deren Schicksal im Spiegel beider Geheimdienste beleuchtet wird. Dieser Geheimdienstkrieg spielte sich nicht im Verborgenen ab. Die Staatssicherheit versuchte
mit einer bis dahin beispiellosen Medienkampagne, den Gehlen-Dienst öffentlich zu diskreditieren. Konnte die Stasi die Operation als "Erfolg" für sich verbuchen, musste der künftige Bundesnachrichtendienst Ende 1953 nicht nur Sicherheitsprobleme beheben, sondern auch das eigene Ansehen im Bundeskanzleramt, bei der CIA und in der westdeutschen Öffentlichkeit wiederherstellen.
(Band 3 der Edition der unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968)
Auf satte 13 Bände ist die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Bundesnachrichtendienstes angelegt. Die ersten drei davon bescheren dem rezensierenden Potsdamer Historiker Frank Bösch jede Menge aufschlussreiche Fakten. Der Studie "Geheimdienstkrieg in Deutschland" über die bislang nur aus Stasi-Akten bekannte "Aktion Feuerwerk" im Jahr 1953 entnimmt der Rezensent, wie dilettantisch der frühe Nachrichtendienst operierte: so konnte die DDR auf der Basis von internen Informationen aus Pullach hunderte BND-Spione festnehmen und in einem Schauprozess propagandistisch vorführen. Es bleiben noch viele Fragen für die nächsten zehn Bände, die Bösch schon gespannt erwartet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2016
Das Kooperationsprojekt zwischen den Autoren von der Abteilung Bildung und Forschung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945 bis 1968 findet Rainer Blasius äußerst überzeugend. Die vergleichende Analyse von Ronny Heidenreich, Daniela Münkel und Elke Stadelmann-Wenz, die das Handeln von Stasi und der "Organisation Gehlen" in den Blick nimmt, erläutert dem Rezensenten etwa anhand von Aktenvergleichen, wer die V-Leute von Gehlen in der DDR waren und inwiefern es sich bei ihrer Tätigkeit um einen politischen Akt handelte. Die im Vorwort des Bandes angekündigte Kompromisslosigkeit bei der Untersuchung der Ära Gehlen scheinen die Autoren laut Rezensent beherzigt zu haben.
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