Feministische Gesellschaftskritik ist in die Defensive geraten. Roswitha Scholz wagt den Versuch, angesichts zunehmender Krisenerscheinungen einen neuen theoretischen Ansatz zur Analyse des Geschlechterverhältnisses zu formulieren, in dessen Zentrum das Theorem der "Wert-Abspaltung" steht. Damit ist gemeint, dass die sozialhistorischen Zuschreibungen des "Weiblichen" ? von Hausarbeit, Kindererziehung bis zur emotionalen Zuwendung ? einen von der kapitalistischen Verwertungslogik abgespaltenen Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion bilden, der gleichzeitig eine "stumme" Bedingung und Voraussetzung der modernen Gesellschaften ist. Roswitha Scholz setzt sich auch kritisch mit den linksfeministischen Theorien der letzten zwanzig Jahre im deutschsprachigen Raum auseinander und zeigt deren Defizite vor dem Hintergrund eines neuen Marx-Verständnisses auf.
Nach Heide Oestreich kann man in diesem Buch Bekanntschaft mit einer "quasi steinzeitmarxistischen These" machen. Denn Scholz geht es hier nicht um die Verbesserung der Möglichkeiten von Frauen im Beruf, sondern sie lehnt überhaupt jede "Produktion von Warenwerten" ab. Deshalb könne sie sich auch nicht mit einer Förderung von Frauen im Beruf anfreunden - abgesehen von der Tatsache, dass die berufstätige Mutter ihrer Ansicht nach komplett "in ein fatales System" verstrickt wird. Besonders erkenntnisreich findet die Rezensentin derartige Überlegungen allerdings nicht: Realitätsfern, eine "Mischung aus ehernem Marx-Seminar-Jargon und apokalyptischen Visionen" und mühselig lesbar, lautet ihre Diagnose. Darüber hinaus wundert sich Oestreich, dass für Scholz offenbar "die Ökonomie als einzige Analysekategorie der Gesellschaft" Gültigkeit hat. Und dass der Staat durchaus lernfähig ist (wenn auch manchmal etwas spät), scheint der Autorin, so Oestreich, entgangen zu sein.
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