Aus dem Englischen übersetzt von Stephan Hermlin. Macht ist die primäre Triebkraft menschlichen Handelns und damit der entscheidende Faktor der Geschichte. Diese Überzeugung vertritt Bertrand Russell in seiner grundlegenden Abhandlung, die mit dem schlichten Titel ?Power? erstmals 1938 in London und in einer Übersetzung von Stephan Hermlin 1947 im Europa Verlag Zürich erschien. Es folgten etliche Nachauflagen, wobei Russells Thesen trotz aller Veränderungen in Gesellschaft und Politik unangetastet blieben. In Auseinandersetzung mit dem Marxismus und in dem für ihn so typischen Stil eines Kämpfers mit Humor, eines Provokateurs mit Charme, analysiert Russell die Ursprünge und unterschiedlichen Formen der Macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.09.2001
Bertrand Russells Studie über die Macht ist einerseits im historischen Umfeld situiert- sie wurde 1938 veröffentlicht -, andererseits nähert sie sich ihrem Gegenstand auf denkbar grundsätzliche Weise. Es ging Russell darum, so der Rezensent Uwe Pralle, "alle Aspekte" darzustellen, von anthropologischen Fundamenten bis zur Möglichkeit der Zähmung von Auswüchsen. Diese Auswüchse beobachtete Russell insbesondere auf dem Gebiet wirtschaftlicher Macht. Das Gegenmittel gegen die Überhand nehmende Macht wirtschaftlicher Großorganisationen sah der Philosoph in konsequenter Demokratisierung. Gerade in diesem Teil seiner Analyse sieht Pralle die Aktualität des Bandes. Darüber hinaus scheint er auch den "lakonischen Gestus" des Buches zu goutieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2001
Andre Kieserling erläutert in seiner Rezension, dass es sich hier um ein Buch handelt, das zum ersten Mal bereits vor dem Zweiten Weltkrieg erschienen ist, und dass Russells Utopien sich hier vor allem um organisatorische Vereinheitlichung drehen: diese Vereinheitlichung betrifft, wie der Rezensent betont, nicht nur Einzelstaaten, sondern auch Organisationen wie beispielsweise Zeitungen. Gleichzeitig trete Russell bisweilen auch für eine Aufsplitterung mancher Organisationen ein, etwa was die Polizei betrifft, bei der seiner Vorstellung nach eine zweite Organisation zugunsten des Angeklagten arbeiten sollte. Kieserling ist der Ansicht, dass es sich bei Russells Utopien um ausgesprochen phantasieanregende Vorstellungen handelt, die - auch wenn sich die sozialistischen Gesellschaften als nicht tragfähig erwiesen haben - durchaus einige Überlegungen wert sind. Heute mag es erstaunen, meint Kieserling, dass man sich mit der Idee von Riesenorganisationen seinerzeit so intensiv befasst hat, was heute "weit hergeholt" erscheine. Doch der Wert des Buchs liegt seiner Ansicht nach nicht zuletzt darin, dass es den Leser daran erinnere, "dass dies noch vor ein paar Jahrzehnten ganz anders war".
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